Single Speed European Championships 2014

In diesem Jahr fanden die Single Speed European Championships in Castlewellan in Nord Irland statt. Mit dabei war auch Josch. Die Erlebnisse des Krokodils könnt ihr hier nachlesen:

04ssec2014

Ich schau mich um. Suche Fixpunkte. Aha ein großer Baum. Drei Meter daneben lege ich mein Bike auf die Wiese und laufe mit Pieter auf der Straße in Richtung Vierseitenhof. Um uns herum 300 bunt gekleidete Radfahrer_innen sowie eine Menge Leute, die zum Zuschauen gekommen sind. Ich bin in Castlewellan, in Nord Irland. Singlespeed Europameisterschaften. Ost. West. Süd. Nord. Der ganze Kontinent ist vertreten. Singlespeed Championship heißt: Feiern. Heißt alte und neue Freund_innen treffen. Heißt Spaß haben. Und heißt für ein paar Stunden alles geben. Sich quälen. Berg hoch. Berg runter. Alles mit einem Gang. Meiner ist 32/18. Bis die Knie irgendwann einmal versagen. Aber heute noch nicht.
“Are you going for it” frage ich Pieter. “Ohh yeah! I feel good. Today I’m racing” sagt er. Ich hab Pieter letztes Jahr in Cogne, Italien, kennengelernt. Pieter lebt in Eindhoven, Niederlande, und jedes Jahr schneiden sich unsere Wege ein bis zwei Mal. Noch viel länger als Pieter selbst, kenne ich Pieter’s Mountainbike. Ein Bendixen Singlespeeder. Vor drei Jahren mal auf einem Foto von Stoph gesehen und für eins der schönsten Stahl-Twentyniner befunden. Und so kam es, dass wir uns bei unserer ersten Begegnung erst einmal 15 Minuten ausschließlich über sein Rad unterhielten. Bike-Nerds! Aber so läuft das halt manchmal und deswegen setze ich mich auch in ein Flugzeug um vier Tage nach Nord Irland zu fliegen. Das hier ist halt mehr als nur Radfahren. Hier sitze ich mit Dave & Tom aus Belgien, Alexander & Pieter aus den Niederlanden, James aus England, Angus aus Neuseeland und Curtis aus den U.S.A. auf einem Campingplatz und wir velosophieren für Stunden über Rahmen und alle, außer mir, auch über Bier. Neuseeländer_innen und Amerikaner_innen bei der SSEC – ja so genau nimmt das dann auch keine_r hier.

03ssec2014

Pieter will’s also wissen. Angus als amtierender Weltmeister sowieso, aber der ist zu schnell für mich. Mal schauen, wie lange ich mein Rad gleich suchen muss, oder aber auch mein Vorderrad. Mein Fahrrad suchen?! Singlespeed heißt: Lemans Start. Und in der Regel liegt das Rad nicht mehr dort wo es vorher abgelegt wurde. Oder es fehlt eben das Vorderrad. We’ll see what’s gonna happen. 3-2-1-Go!
Es dauert lange. Aber schlussendlich finde ich mein Rad. Weit weg vom großen Baum. Aber egal. Alles noch dran. Und los! Zwei Kilometer Bergauf. Ich schlängle mich an 30 bis 40 Leute vorbei. Nach Zweidrittel des Anstieges schau ich mich um. Hinter mir haben sich Jeremy und Neol eingereiht. Dazu jemand von der Italian Singlespeed Mafia. Zu viert fliegen wir den Berg hoch. Ich lass mich erstmal nach hinten fallen und atme durch. 3-2-1-Hier kommt die Kotzgrenze. Wir sind oben angekommen und nun beginnt der Spaß.
Gut 80% der Strecke verlaufen über feinste nordirische Singletrails. Ein Traum. Zunächst entwickelt sich das Ganze jedoch zum Alptraum. Ich stehe im Stau und die drei vor mir fahren weg. Ich erinnere mich kurz an mein Rennmotto: “Gewonnen wird am Anstieg, nicht auf dem Trail” und nutze die Zeit zum Durchatmen und genieße die kurvenreichen Trails. So ist’s wenn mensch schlecht startet. Nach drei langen Trailpassagen werden wir wieder auf einenForstweg ausgespuckt und ich lege mit der Verfolgungsjagd los. Die drei sind erstmal weg, aber mal schauen was der Tag noch in sich hat. Die Strecke biegt rechts in den Wald ab und zwei Leute am Streckenrand schreien mir nach: “Charge it! Charge it!”. Und das mach ich auch. Die nächsten zwei Kilometer sind die härtesten des Rundkurses. Tiefer Waldboden. Singletrail bergauf. Mein Rad bleibt nach jeder Kurbelumdrehung fast stehen. Oiwawoi. Wurzel. Schräg am Hang entlang. Das ist Mountainbiking at it’s best. Ich komme oben an und biege links zwischen zwei Bäumen auf den schwarzen Singletrail ab. Es wird steil. Es wird steinig. Ich bleibe heil. Und es geht direkt wieder bergauf. Meine Beine schmerzen schon nach Zweidrittel der ersten Runde. Das soll ich vier Runden durchhalten?! Die letzten zwei Kilometer der Runde verlaufen wieder auf einem flowigen Singletrail, bevor es einen kurzen Gegenanstieg zum Zielbereich geht. Erste Runde vorbei. Durchatmen. Ich sehe den Mafiosi wieder vor mir und fahre im Bergaufstück an ihn heran. Die zweite Runde ist – Sorry – Scheiße. Mir tut alles weh. Ich versuche die Trailabschnitte so flüssig wie möglich zu durchsurfen und greife an jedem Anstieg an. Ich kann meinen Verfolger am Ende der zweiten Runde endlich abschütteln und sichte Noel sich auf dem Trail. Neuer Gegner! Und siehe da, die dritte Runde läuft deutlich flüssiger. Ich mache auf dem flowigen Singletrailabschnitt Boden gut. Endlose kleine Sprünge, Kurven und kleine Steinfelder kosten viel Energie, sorgen aber auch für ein breites Lächeln in meinem Gesicht. Gegen Mitte der dritten Runde hat sich der Italiener wieder an mich rangekämpft. Auch sind wir nun deutlich näher an Noel. Meine Reserve sind wieder etwas aufgetankt. An jedem Trailabschnitt stehen Leute am Rand und feuern die Fahrer_innen an. An ein paar Ecken werden, in guter Singlespeedtradition, die Rennteilnehmer_innen wahlweise als zu langsam oder unfähig bepöbelt sowie ermutigt die Sache mit dem Radsport lieber sein zu lassen. Plätze 11 und 12 werden uns zugerufen. Hell Yeah. Das läuft. Beine gut. Kopf ist da. Also angreifen! Das mach ich auch. Am Anstieg, am Ende der dritte Runde kann mich endlich von meinem Verfolger lösen. Den sehe ich heute nicht mehr wieder! Start/Ziel. Letzte Runde. Platz 11!

01ssec2014

Noel ist 40 Meter vor mir. Jetzt oder nie. “Gewonnen wird am Anstieg” denk ich mir wieder. Der Anstieg beginnt mit einer 180° Kurve. Alle Geschwindigkeit, die eben noch vorhanden war, ist weg. Der erste Teil ist auf Asphalt und wird zum Ende hin ein bisschen steiler. Im diesem Stück steht eine der Trailbadger_Innen und schreit mich an, dass ich schneller fahren soll. Also fahre ich schneller. Der Anstieg macht einen rechts/links Knick. Ab jetzt ist es Schotter. 200 Meter noch, dann wird’s wieder flacher. Ich bin an Noel’s Hinterrad. Rechts Knick. Vorbei. Ich trete und trete. Der Weg macht eine Linkskurve. Danach eine kurze Rampe. Jetzt noch 300 Meter bis zum Ende. Noel ist an meinem Hinterrad. Wir überrunden 15 Fahrer_Innen als wir gemeinsam den Anstieg hochfliegen. Kurve links und jetzt noch eine 150 Meter Rampe. Das steilste Stück. Now or never! Ich gehe aus dem Sattel. Lehne mich nach vorne und sprinte. Ja, ich sprinte eine 20% Schotterrampe hoch. Mein Hinterrad dreht durch. Egal. Treten. Treten. Treten. Vor mir sind noch zwei Leute. Beide auf ihrer dritten Runde. Die beiden zwischen uns, und ich bin save, denke ich mir. Ich trete weiter. Überhole beide Fahrer_innen. Drehe mich um. Noel ist 40 Meter hinter mir. Zwei Leute zwischen uns. Schon Hannibal vom A-Team liebte es, wenn ein Plan aufgeht. Ich auch! Ab auf den Trail. Noel sehe ich erst im Ziel wieder.
Und wieder dieser tiefe Boden. Wieder höre ich Rufe vom Streckenrand: “20 Seconds – he’s looking tired”. 20 Sekunden. Unerwartet. Racemode. Mein Körper ist schon wieder auf Automatismus. Ich bin kurz vor der Abfahrt auf dem schwarzen Trail. Am Einstieg stehen zwei Leute mit Trillerpfeife und signalisieren das Fahrer_innen ins Steilstück einfahren. Dazu rufen sie “fast guys – last lap”. Ich schieße den Trail runter. Unten angekommen entdecke ich Michael, der mit mir am Vortag noch in die nächste Stadt gefahren ist, um eine neue Bremsscheibe aufzutreiben, da meine beim Transport im Flugzeug verbogen wurde. Er gibt mir noch ein paar motivierende Worte mit auf die letzten Kilometer. Wortlaut unbekannt. Wie gesagt: Racemode. Ich biege auf den nächsten flowigen Trailabschnitt und rase an die platzmachenden Überrundeten vorbei. Letzter Anstieg. Kurz vor dem Ziel. Der Trail spuckt mich aus. Ich sprinte sofort los. Ich biege rechts ab. Eine letzte schnelle Wiesenabfahrt. Links. Treppe hoch. Platz 9!
Am Abend sitzen wir in einem riesigen Pub in Castlewellan. Preisvergabe und Austragungsvergabe. Sprich: Wo geht’s 2015 hin. Ich sitze mit Jeremy und ein paar anderen am Tisch. Wir sind noch gemeinsam den ersten Anstieg hoch, aber dann war Jeremy nicht mehr in meiner schlagweite. Er hat sich Platz 2 gesichert und strahlt wie ein Kleinkind als er sich durch die Massen schlängelt. Platzierungen sind aber im Grunde nebensächlich. Verkündet werden Platz 1-3, alle anderen sind Vierte. Am Ende gab’s sowieso nur einen Helden und Gewinner. Dave, the legend. Gewinner des Hauptpreises. Errungen durch diesen Wurf! Ein Salut nach Dublin und viel Spaß mit dem Surly Krampus.

02ssec2014Foto – Jonny Laverty

Die Frage, die noch im Raum steht: Wo treffen wir uns alle im kommenden Jahr wieder. Sizilien vs. Slovenien. Kurz und Knapp Slovenien gewinnt die Competition. Schenkt die Austragung der SSEC 2015 aber Sizilien. Dort ist’s im April nämlich sonniger.
Hat sich der Flugstress gelohnt? Eine Menge neue und alte Bekannte getroffen. Einladung zur CC&G aka Dutch Singlespeed Championships. Einladung zum ThreePeaks und SSEC 2015 auf Sizilien. Dazu jede Menge Trailspa? in Nord Irland. Jederzeit wieder!

 

Danke an alle Fotograf_innen, von denen wir uns Bilder für diesen Text leihen durften! Leider sind die Bilderquellen etwas unklar. Meldet euch doch bitte bei uns, falls ihr Fotos von euch wiedererkennt.

Veröffentlicht unter mtb, normality | 3 Kommentare

Pagus Neletizi* – Die Hölle des Ostens

Punkt 7:29 Uhr ertönte die Fanfare aus dem Führungsfahrzeug, ein scharfes „Bitte sammeln!“ und keine 45 Sekunden später verließen 53 Frühaufgestandene den Sammelpunkt am historischen Waldkrater in Halle an der Saale. Voller Ehrfurcht vor dem Bevorstehenden folgten sie dem Veranstalter Maurizio Paul ins „Rote Mansfeld“, berüchtigt für seine zahlreichen Kopfsteinpflasterstraßen.

Die Hölle des Ostens fand nun schon zum 4. Mal statt und für die beiden Krokodile Nikita und Martin sollte es ein besonderer Tag auf dem Rad werden, so kamen beide aus einer familienbedingten Radauszeit und freuten sich auf viele Stunden im Sattel.

01bild

Für Nikita war es die erste Teilnahme, für Martin die bereits zweite, nachdem er sich im letzten Jahr zusammen mit Tias bei grenzwertigen 2°C und Schnee den Pavés erfolgreich gestellt hatte.

02bild

Nikita wählte das Crossrad mit 28iger Vittoria Randonneur’s und Martin seinen Titanrenner mit den Kopfsteinpflastererprobten Specialized Armadillos ebenfalls in 28iger Breite. Die Wahl der Bereifung wurde am Ende des Tages mit Pannenfreiheit belohnt. Überhaupt gab es so einige harte Hunde die sich nicht beirren ließen und mit 23iger Clinchern über die Pflaster polterten. Respekt!

03bild

Ein entscheidender Grund der uns trotz fehlender Frühjahrskilometer zur Teilnahme bewog, war die ausgesprochen handverlesene Strecke des ortskundigen Veranstalters Maurizio. Abwechslungsreich, liebevoll organisiert, landschaftlich traumhaft und mit 179km und 34 Pavés unterschiedlichster Längen und Schwierigkeitsgrade auch anspruchsvoll für die Handgelenke und das Material.

Die Idee zwei Kradfahrer als Streckenabsicherung zu haben erwies sich als durchaus sinnvolle und fahrflusserhaltende Maßnahme, besonders bei größeren Straßenüberquerungen. Jedoch machen zwei ständig um das Fahrerfeld schwirrende Motocrossmaschinen mächtig Lärm und stinken ordentlich nach Abgas, was nicht immer angenehm und der ruhigen Landschaft nicht immer dienlich war. Das sollte aber der einzige kleine Kritikpunkt an einem perfekten Radsporttag bleiben.

10bild

09bild

05bild

Es stellte sich auch dieses Jahr eine herrliche Atmosphäre unter den Teilnehmer_innen ein, so wurde wieder zügig gefahren, aber stets fair. Es wurde viel gequatscht, alte Bekanntschaften aufgefrischt, neue Bekanntschaften geschlossen und man merkte jedem_r die Freude am guten Wetter an.

06bild

Wie auch im letzten Jahr entwickelten sich die letzten 35 Kilometer zu einem kleinen Spaßrennen, wobei dieses Jahr Nikita erheblichen Anteil daran hatte. Gleich nach der Kaffee- und Kuchenpause setzte er sich an die Spitze der Führungsgruppe und zog zur Freude vieler gehörig das Tempo an. Den meisten wurde schnell klar, dass es jetzt heißt: Mitziehen oder raushalten! Teamkollege Martin hing noch so lang es ging in der Führungsgruppe um Nikita, Maurzio, den Chemnitzer RSV’lern (allesamt regelmäßige Teilnehmer der Bioracer Cross Challenge) sowie Ex-Profi und Leipziger Radsportgröße Martin Götze. Jedoch kam was kommen musste: Am legendären 5 Sterne Pavé hinter Kütten (Länge 3500m), ca. 15km vor dem Ziel fehlte jeglicher Druck und Martin blieb förmlich auf der Stelle stehen und musste die Gruppe ziehen lassen. Tatsächlich war hinter ihm eine riesen Loch gerissen und weit und breit niemand zu sehen. Deshalb noch schnell ein Vergleichsfoto gemacht (links 2013) und locker ins Ziel gerollt. Dort empfangen ihn Nikita, Hans vom Radhaus Leipzig und Arne, welcher (wie immer) schon etwas länger wartete. Am Ende standen über 6 Stunden Fahrzeit, 179 Kilometer und 34 Pavé auf der Uhr.

07bild

08bild
Alle Fotos von Martin ertzui

Wiedererwartend funktionierten die Beine und so fuhren Nikita und Martin mit einem breiten Grinsen nach Hause und haben bereits ihre Teilnahme für 2015 angekündigt. Hoffentlich in Begleitung der anderen Krokodile!

Einen ausführlichen Bericht von Maurizio und weitere Infos zur Veranstaltung gibt es hier: http://hoelle-des-ostens.de

*Pagus Neletizi et Nudzici = ausführliche diplomatisch-historische Beschreibung des Saalkreises

Veröffentlicht unter normality | Hinterlasse einen Kommentar

Single Speed European Championships 2014

Josch @ SSEC2014

Foto von Curtis Inglis

Veröffentlicht unter normality | Ein Kommentar

Finale Deutschlandcup Cyclocross Borna

‘Jedermann’ ist das neue Hobby…

Wie es sich gehört ist auch das Team Carlo Forte stets am Puls der Zeit. Was ‘Jedermann’ kann, können die Krokodile schon lange. Daher waren auch sie mit dabei, beim diesjährigen Finale Deutschlandcup Cyclocross in Borna. Am ersten Tag des zweittägigen Rennens reihten sich Josch, Nikita und Tobi an der Startlinie ein. Zu den Abschlussrennen vom Deutschlandcup Cyclocross Rund um die Witznitzer Kippe hatte der RSV Radsport Borna e.V. geladen.

Am Samstag durften die ‘Hobby Pilot_innen’ als erste auf die Strecke. Pünktlich um 10:00 Uhr ging’s für die noch etwas verschlafenen Fahrer_innen los. Mit dem Startschuss des UCI Kommissars hieß es: Von Null auf Hundert! Die Strecke war noch frisch. Die neu angelegten Wege durch den Wald waren zwar gut gewählt, aber an einen runden Tritt war nicht zu denken. Doch das bremste die Jungs von Carlo Forte keines Wegs aus. Alle drei hatten einen super Lauf. Nikita fuhr einen verdienten 3. Platz ein. Knapp dahinter landete Tobi auf dem 4. Platz. Josch, der am letzten Anstieg noch einmal angreifen wollte, sprang dabei unglücklicher Weise die Kette vom Rad. Durch diesen Defekt verlor er einige Plätze und wurde als 9. ins Ziel geschoben.
Glücklich und zufrieden mit dem Ausgang des Tages und in Vorfreude auf das, was am Sonntag noch kommen sollte, schaute sich das Team anschließend noch die Rennen der Elite Frauen und Männer an. Über die Manöver der ‘Profis’ waren alle sehr begeistert.

Samstag

Fotos von Tobi

Am Sonntag musste Nikita dann leider pausieren und somit fuhren Tobi und Josch allein ein weiteres Mal nach Borna. Den zweiten Renntags hat Josch wie folgt erlebt:

“Oiwawoi. Fünf Wochen. Seit fünf Wochen habe ich nicht auf dem Rad gesessen. Drei Wochen lang quälte ich mich mit einer hartnäckigen Bronchitis rum. Und jetzt das. Nach dem es mir gestern mehr als dreckig ging, bin ich mir nicht sicher, ob ich hier gerade das Richtige tue. Vor 20 Minuten hat ein Nieselregen eingesetzt und nun stehe ich in der ersten Startreihe. Neben mir Tobi. Ich blicke nach hinten. Scheiße! Die haben eine Lizenz. Die sind schnell. Einfach nur Mitrollen, habe ich eben noch zu Tobi und Karsten von veloheld, der heute ebenfalls am Start ist, gesagt.
Ja, ‘Jedermann’ sollte eigentlich ‘Jedermensch’ heissen! Denn es sind schließlich alle am Start…Lizenz, Hobby, Frau, Mann, jung, alt. Und alles dazwischen darf auch noch mitmachen. Im Starter_innenfeld befinden sich vier Frauen. Unteranderem Lisa, die seit ein paar Jahren bei der Frauen Elite gut mitmischt. Ebenso zwei Bike-Mechaniker aus Tschechien, die eben noch ihren Teamfahrer in der Wechselzone supportet haben, fahren mit. Ein schöner Mischmasch aus allem, was die Radsportszene zu bieten hat.
Das zweite Mal an diesem Wochenende stehen wir neben der Glückauf-Halle in Borna. Gestern durften wir noch als erste auf den frischen Kurs des zweitätigen Finale Deutschlandcup Cyclocross. Heute heisst es 40 Minuten auf dem ausgefahrenen Kurs als Allerletzte das Beste draus machen. 40 Minuten. Nieselregen. Kälte. Eine Startreihe. Ich-Rolle-Nur-Mit! Startschuss!
200 Meter später geht’s auf die Wiese. Tobi befindet sich an der Spitze. Ich reihe mich irgendwo in den Top 10 ein. Wie bitte? Gegenanstieg. Steile, schnelle Abfahrt. Alles wackelt. 100 Meter Asphalt. Und ab dafür. Lange, steile Laufpassage. Meine Oberschenkel brennen unerwartet weniger als gestern. Ich schaue mich um. KaMü ist direkt hinter mir und macht Druck. Was soll’s, ich probier’s mal, denke ich mir.
Borna hat fiese Huckel. Ich kette die ganze Session schon 40-17. Ich hatte keine Lust umzubauen. So ist mein Gang auch diesmal wieder ein bisschen zu dick, aber egal. Die Huckel machen zu schaffen. Am zweiten bleibe ich hängen. Mist, eine Lücke vor mir. Ich brauche bis zum Ende der ersten Runde, um sie zu schließen.
Wieder diese scheiß lange und steile Laufstrecke. Hinter mir ist ein Loch. KaMü und sein Begleiter sind weg. Vor mir zwei Fahrer. Ich erkenne Martin aus Tschechien. Wir hatten kurz vor dem Start noch miteinander gequatscht. Ich fahre ran. Er fährt schneller. Wir beide ziehen davon. Überholen einen Fahrer vor uns. Auf den Geraden macht er Druck. Ich bleib dran so gut es geht. Im Matsch mache ich wiederum Meter gut. Ein schöner Zweikampf. Start/Zeil. Er ist zwei Meter vor mir. Abfahrt. Ich bin dran. Gegenanstieg. Oberschenkel brennen. Ich verliere fast einen Schuh, so steil ist es. Aber ich gebe nicht locker. Gerade, Martin macht schon wieder Meter gut. Abfahrt in die durchweichte Wiese. Und wieder bin ich dran. An der letzten Abfahrt steht die Radhaus-Crew und feuert mich an. Ich versuch es nochmal. Rad an Rad fliegen wir über die Wiese, rauf auf die Stadionbahn. Sprinten ohne Schaltung – wie dumm denk ich mir. Ich verstecke mich auf der Außenbahn. Martin schaut nach innen. Ich versuche es. 90 Meter sind es noch. Mein Vorderrad ist auf Höhe seines Hinterrads. Schiebt sich nach vorn zum Sattel. Lenker. Wir sind Seite an Seite. Er schaltet. Klick. Klick. Ich 30 Meter noch. Ich bin vorne. 20 Meter. Gleiche Höhe. 10 Meter. Martin ist vorne. Ziel.
Tobi wartet schon auf mich. Jaja, nur mal Mitrollen, sagt er. Er ist direkt vor uns beiden ins Ziel gekommen. Naja, aus nur mal Mitrollen wurde mal wieder eine sportliche Herausforderung. Aber hat auch wirklich Spass gemacht und die Strecke war ausgefahren auch wirklich doppelt so schön, wie noch am Vortag. Martin und ich: High five! Alles gut!

Sonntag

Fotos von Tobi  und kreuzbube

Die Organisation der Veranstaltung war wirklich großartig und die Strecke war Top! Dieses Rennen kann wirklich als Feuertaufe für die Deutschen Meisterschaften 2015 gesehen werden und ganz klar als bestanden gelten.

Veröffentlicht unter cross | Hinterlasse einen Kommentar

Deutsche CX-Meisterschaften – Döhlau

Manchmal haste einfach keinen Bock!

So ging’s den Jungs nachdem sie das Preview-Video zur Deutschen CX-Meisterschaft im fränkischen Döhlau angeschaut hatten. Asphaltpassage bergauf. Feld wieder runter und einmal rund um den Fussballplatz. Das Video sorgte nicht gerade für Dopamin in ihren Adern. Nichtsdestotrotz entschieden sich Tobi, Nikita und Josch am 2. Januarwochen ihre Taschen zu packen und gemeinsam in den Süden aufzubrechen.

Hier Josch´s Eindrücke von den CX-Meisterschaften in Döhlau:

CX-Meisterschaft bedeutet in die Gelegenheit zu kommen einmal die richtig “guten” Fahrer, wie Meisen und Walsleben, die sonst ihr Geld in Belgien verdienen, auf dem Rad zusehen. Daher haben wir uns bereits in die frühen Morgenstunden nach Döhlau aufgemacht. Am Vormittag angekommen, parkten wir erstmal und besichtigten die Strecke. Und siehe da, Meisen dreht gleichmal ein paar Proberunden. Wir schauen aufmerksam zu und prägen uns die ein oder andere schnelle Linie ein – in der Hoffnung es ihm am Nachmittag gleichzutun.

Als die Senioren auf’s Rad steigen greifen Tobi und ich zu unseren ausrangierten Crossrahmen und machen am Streckenrand gut Stimmung. Wir schlagen auf die Rahmen ein, brüllen die Fahrer an und auch der einige Teilnehmer honorieren unsere gute Laune mit einem wohlwollenem Lächeln. Nachdem ersten Rennen wird uns schnell klar: Die Langeweile ist vorbei. Aus der Ackerabfahrt wurde eine tiefe Schlammabfahrt, die in Teilen 30cm tief und unfahrbar ist. Aus der langweiligen Sportplatzrunde ist eine schnelle schmierige Grasspassage geworden. Dazu kommen matschige Abfahrten und schlittrige Kurven. Ein Mix aus Adrenalin und Dopamin verbreitete sich in unseren Körpern.
Dazu kommt schließlich ein bisschen Aufregung. Wir stehen zu dritt an der Startlinie. Mit uns haben gut 35 weitere Fahrer ihren Platz in der Startbox eingenommen. Die UCI Kommissare sind entspannt. Keiner nervt wegen schief angebrachten Startnummern, niemand misst die Breite der Lenker oder stülpt Schablonen über Reifen. Strecke gut. Stimmung gut. 3-2-1-LOS!

Wir heizen die Start/Ziel-Gerade runter und sind gespannt was in der ersten schmierigen Abfahrt passieren wird. Die Strecke wird enger, das Feld quetscht sich durch die erste Abfahrt. Stau. Nikita und Tobi kommen gut weg. Nikita mischt vorne mit. Ich reihe mich nach einem eher entspannten Start fast ganz hinten ein und warte das Gedrängel ab. Aber nach den ersten Kurven lege auch ich einen Gang zu. Es folgt eine kurzen Rampe und anschließend geht’s auf den Asphaltanstieg. Ich verschaffte mir erst einmal einen Überblick. Nikita irgendwo ganz ganz vorne. Er will es mal wieder wissen und greift an. Tobi gut 15 Plätze vor mir. 3-2-1-Aufholjagt!

Die Runde ist dynamisch. Trotz des schmierigen Untergrunds sind alle Passagen insgesamt recht schnell fahrbar. Nach dem Asphaltanstieg kommt die Feldabfahrt. Am Rand hat sich eine Spur gebildet die über 2/3 des Feldes okay fahrbar ist. Aber irgendwann wird’s zu tief. In der ersten Runde Reihe ich mich hinter den anderen Fahrern ein und folge der noch relativ festen Spur. Danach geht’s wieder auf die Wiese. Mein Lieblingsteil! Während meine Reifen über die Wiese rollen, ist fast so etwas wie eine kleine Welle vor dem Vorderrad. Idealerweise sind an dieser Stelle die Kärcher zum Fahrrad reinigen aufgebaut und das Wiesenstück ist durchnässt. Ich mag das. Auf solchen Stücken bin ich schnell. Linkskurve. Rechtskurve. Ich mache ein paar Plätze gut. Ich werde warm. Hinter den Pits kommt eine Wende und kurz darauf springen alle von den Rädern. Kleiner Treppenanstieg. Rauf auf’s Rad. Runter vom Rad. Ab in den Schlamm. 60 Meter rennen. Entlang am schrägen Hang. Über die Brücke. Aufspringen. Weiter. Der Abschnitt rund um den Sportplatz ist gespickt mit ein paar Wenden, zwei Barrieren und drei fiesen kleinen Schikanen, die natürlich einen steilen Anstieg beinhalten. Kurz gesagt: Scheiße anstrengend, aber irgendwie fetzt das heute. Danach geht’s wieder auf die 200 Meter Start/Ziel-Gerade.

In der nächsten Runde versuche ich mein Glück im Dreck. Ab in den tiefen Schlamm und einfach haken. Ich mache 3-4 Plätze gut, da ich mich diesmal nicht hinten einreihe, sondern einfach mal schaue wo mich der Schlamm hintreibt. Klappt ganz gut. Bis mein Vorderrad stecken bleibt. Ich springe vom Rad und merke mir die Stelle. Renne 10 Meter und wieder rauf auf’s Rad. Hochprofilfelgen.

It’s all about the hochprofil, baby!
In der Laufpassage kassier ich den nächsten Fahrer. Tobi kommt so langsam näher. Im Start/Ziel hat er noch gut 50 Meter Vorsprung. Welten im Cycloross! Wieder geht es runter in den Matsch. Gegenanstieg. Ich springe vom Rad. 3-4 Schritte. Ich bin oben. Ab auf den Asphaltanstieg. Erneut zwei Fahrer kassiert. Im schlammigen Feld bin ich an Tobi’s Gruppe dran. Yeah! Keine 200 Meter weiter gibt’s eine kleine Show für die Jungs in der Wechselzone. In der Kurve direkt davor überhole ich Tobi auf der Innenseite. Doch mir rutscht das Hinterrad weg. Schräglage extrem! Aber abgefangen. Die Strecke liegt irgendwo links von mir. Ich fahre spontan durch die Wechselzone. Und was habe ich erst 2 Wochen vorher bei Svenness gelernt? Richtig: Niemals nie einfach durchfahren. Ist verboten und so. Also vom Rad abspringen und wieder drauf. Mache ich alles ganz vorbildlich und erhalte sogar noch Szenenapplaus. Tobi ist wieder ein Stück weg. Ich atme erstmal eine Runde durch. Atmen tut gut, sagt mein Kopf.

Drei Runden noch. Von hinten sprintet jemand auf der langen Gerade an mich herran. In einer engen Linkskurve überrunde ich einen Fahrer und entscheide mich direkt danach für die Kampflinie, wodurch ich meinen Verfolger ein wenig ausbremse. Hab ich auch bei Svenness gelernt. Meinem Verfolger kommuniziere ich jedoch, dass er an der kommenden Rampe lieber links fahren soll. Ich habe ja keine Schaltung und springe an der Stelle vom Rad. Er fährt vorbei. Am Asphaltanstieg bedankt er sich und legt los. Dickes Blatt. Raus aus dem Sattel. Weg ist er. Ich schreie ihm noch hinterher, dass er sich dem Typen vorne links in dem grünen Trikot schnappen soll. Der ist eh schon platt. Doch Tobi hat durchaus noch Reserven. Nachdem mir gerade eben 25 Meter auf dem Asphaltanstieg abgesprintet wurden, komm ich auf dem 200 Meter langen schlammigen Feld wieder ran. Wir sind jetzt zu viert. Tobi, der “Sprinter” auf einem Crux und noch ein vierter Fahrer. Eine halbe Runde später zieht Tobi an. Und der Vierte im Bunde fliegt aus der Gruppe. Zwei Runden. Wir sind zu Dritt und machen Tempo. Wir machen Boden gut. Am Asphaltanstieg saugen wir uns an Nikita heran. Tobi macht schon wieder Tempo. Auf der nassen Wiese überhole ich. Nikita feuert mich an. Ich gebe nochmal alles und versuche an Tobi dranzubleiben. Wir sind zu Zweit. Und kassieren einen weiteren Fahrer.

Letzte Runde! Tobi hat mir auf der Zielgerade 10 Meter abgenommen. Auf dem Asphaltanstieg kann ich die Distanz konstant halten. Oder besser gesagt: Tobi hält mich konstant hinter sich. Auf der Wiese komme ich auf 5 Meter an ihn heranfahren. Duell! Ich kann nicht mehr, aber ich gebe nicht nach. Hinten am Sportplatz vorbei. Tobi macht Boden gut. 180Grad Wende. Runter vom Rad. Barrieren. Kleiner fieser Gegenanstieg mit einer direkt folgenden Schikane. Ich gebe auf. Tobi hält mich auf 5 Meter Abstand zu sich. Ich komme einfach nicht ran. Er hat mal wieder gewonnen. Die letzten 100 Meter fahre ich einfach nur durch und biege auf die Zielgerade, wo Tobi wartet. Wir fahren gemeinsam ins Ziel. Yeah! What a fight! Hinter uns rollt Nikita durchs Ziel. Er hat auch noch einen Platz gut gemacht und sorgt damit für eine geschlossene Mannschaftsleistung. Yeah! Yeah! Yeah!
So ist das also manchmal. Da haste keinen Bock. Erwartest langweiliges Wiesengebummel und dann BAMM! Cyclocross vor die Fresse!

Results: Carlo Forte belegt die ersten 3 Plätze: (1)1. Tobi, (1)2. Josch und (1)3. Nikita!

Ein gelungener Ausflug. Tobi beweist mal wieder, dass er der Schnellste unter den Krokodilen ist. Nikita zeigte trotz Schlafmangel und doppeltem Frauenvergnügen zuhause eine super Leistung. Und Josch holte sich den inoffiziellen Deutschen Singlespeed Meistertitel zurück.


Fotos von Tobi

Veröffentlicht unter cross | Hinterlasse einen Kommentar

Bioracer Cross Challenge – Chemnitz – Finale

This is the end my friend!

Irgendwann hat die sonntägliche Routine auch einmal ein Ende. Oder zumindest eine Unterbrechung. Diese Unterbrechung heisst Jahr für Jahr Chemnitz und am ersten Sonntag im Dezember war es wieder soweit. Vorbei die Zeit des wöchentlichen Rennsporttaschepackens. Vorbei die Zeit des nach nur vier Stunden Schlaf Ausdembettquälens. Vorbei die Zeit des Durchdenschlammraddelns. Aber dazu später mehr…

Der 01.12.13 begann für das Team Carlo Forte also wieder einmal in den frühen Morgenstunden. Nachdem das Tobimobil beladen war und der obligatorische Bäckerstop absolvierte wurde, machten sich die Krokodile auf nach Chemnitz. Gemeinsam sitzen Tias, Tobi und Josch im Bus und witzeln darüber, welche Überraschungen die Chemnitz die letzten Jahre für sie bereit hielt. Chemnitz stellte stets eine Herausforderung dar, ob bedingt durch das Wetter oder einer anspruchsvollen Rennstrecke. Doch nachdem die Fahrer_innen in den letzten Jahren mit Schlamm und Schnee zu kämpfen hatten, freuten sich die Herren nun auf entspanntere Bedingungen. So gingen es die Krokodile nach ihrer Ankunft zunächst ruhig an und begutachteten die Strecke zu Fuß. Und siehe da – Überraschung: Chemnitz wartete in dieser Saison mit einer neue Streckenführung auf. Neben der steilsten Treppe der gesamten Bioracer Cross Challenge, die eher als Steig als als Treppe zu bezeichnen ist, wurde ein weiterer steiler Treppenanstieg integriert. Dazu kommt eine tiefe matschige Laufpassage und technisch sehr anspruchsvolle Wiesenhänge, die mal rauf und mal runter gefahren werden müssen. Ja, Chemnitz ist und bleibt Cyclocross. Matschig. Rutschig. Technisch. Cyclocross par exellence.

Hier nun das Rennen aus Josch´s Perspektive.

14:00 Uhr. Umgezogen. Lenker in den Händen. Ein Schuh im Pedal eingeklickt. Im Krokodiloutfit stehen wir zu Dritt im erfreulich grossen Starter_innenfeld. 3…2…1…GoGoGo!

Knapp 35 Fahrer_innen sprinten um die ersten zwei Kurven, bevor es in den Schlamm geht und die Strecke enger wird. Tobi fährt vor mir, Tias ein paar Platzierungen dahinter. Wir springen vom Rad und müssen gleich die erste Treppe meistern. Sofort danach erfolgt eine steile, schlammige Abfahrt. Mit geschultertem Rad geht’s anschließend für alle durch knöcheltiefen Schlamm. Rechtskurve. Jetzt kommt der “Klettersteig”. Aber huch. Was ist das? Direkt vor mir steckt eine Schuhsohle im tiefen Schlamm – Materialschlacht, denk ich mir. Nicht nur die Räder leiden. Nein. Auch die Kleidung. Egal. Ausblenden und den Steig hoch. Rauf auf’s Rad und rum um die Chemnitzer Radrennbahn. Mein Herz schlägt gegen meine Brust. Tobi ist zwei Plätze vor mir. Raus aus dem Sattel. Beschleunigen. Hinterrad. Dranbleiben.

Eine Runde später. Tobi kassiert zwei Fahrer vor ihm. Ich fahr hinterher. Kurz vor dem Wiesenabschnitt ziehe ich an Tobi vorbei. Naja. Ganze 5 Sekunden kann ich den Vorsprung halten. Vor der nächsten Wende holt er mich wieder eine. Und nur kurz danach liege ich am Boden und verpasse meinem grünen Trikot einen weiteren grasgrünen Anstrich. Aber kein Drama. Aufstehen. Rauf auf’s Rad. Weiter geht’s. Ich kann Tobi’s Hinterrad ein paar Meter vor mir sichten.

Noch eine Runde später. Gleiche Stelle. In meinem Kopf setzt sich die Gedanke fest, dass wenn ich es schaffe vor Tobi zu gelangen, kann er mich die nächste halbe Runde nicht überholen. Dass heisst: Jetzt oder nie! Ich setzt an. Und…liege ein zweites Mal im Dreck. Was mir mein Gehirn nun klar und deutlich zu verstehen gibt ist, dass ich niemals nie an einer Stelle, an der ich soeben im Schlamm gelegen habe, versuchen sollte noch schneller zu sein und jemanden zu überholen. Doch für eine Auswertung bleibt nach dem Rennen genügend Zeit. Jetzt muss es weiter gehen. Wieder rauf auf’s Rad. Der Vorsprung auf die Gruppe hinter uns, den wir uns in den ersten Runden erkämpft haben – hart erkämpft haben – ist weg. Zwei Kurven später, wir sind noch immer auf dem Wiesenstück, sehe ich Micha und Tilo aus Dresden am Streckenrand. Ich schau nach links, fahre nach rechts und WUTSCH. Ich lieg schon wieder. Zwei Fahrer düsen an mir vorbei. Erneut meldet sich mein Kopf…doch egal! Ich sag später einfach Micha und Tilo haben mich umgeschubst!

Eine halbe Runde noch. Ich fahre wieder an die zwei, die mich soeben überholt haben heran, doch mehr ist nicht drin. Kurz darauf rolle ich auf Platz 12 ins Ziel. Ich bin dreckig. Ich schwitze. Ich röchle statt zu atmen. Aber mein Gesicht zeigt ein breites Grinsen. Tobi, der sich den 9. Platz gesichert hat, wartet im Ziel. Auch er lächelt. Gemeinsam nehmen wir Tias in Empfang. Yeah! Chemnitz! Immer wieder eine Reise wehrt!

Nach ein paar Jahren Bioracer Cross Challenge kennen wir einige Gesichter gut, ob unter den Veranstalter_Innen, Helfer_Innen oder Fahrer_Innen. Mit einigen sitzen wir nach dem Rennen noch zusammen und lassen uns einen leckerer veganen Kuchen schmecken, den Tobi zum Abschluss einer tollen Saison für uns kredenzt hat. Ein perfekter Ausklang!

In diesem Sinne. Belgique Chic. Wir sehen uns im nächsten Jahr!

Fotos von Tias und Tobi

Veröffentlicht unter cross | Ein Kommentar