Finale Deutschlandcup Cyclocross Borna

‘Jedermann’ ist das neue Hobby…

Wie es sich gehört ist auch das Team Carlo Forte stets am Puls der Zeit. Was ‘Jedermann’ kann, können die Krokodile schon lange. Daher waren auch sie mit dabei, beim diesjährigen Finale Deutschlandcup Cyclocross in Borna. Am ersten Tag des zweittägigen Rennens reihten sich Josch, Nikita und Tobi an der Startlinie ein. Zu den Abschlussrennen vom Deutschlandcup Cyclocross Rund um die Witznitzer Kippe hatte der RSV Radsport Borna e.V. geladen.

Am Samstag durften die ‘Hobby Pilot_innen’ als erste auf die Strecke. Pünktlich um 10:00 Uhr ging’s für die noch etwas verschlafenen Fahrer_innen los. Mit dem Startschuss des UCI Kommissars hieß es: Von Null auf Hundert! Die Strecke war noch frisch. Die neu angelegten Wege durch den Wald waren zwar gut gewählt, aber an einen runden Tritt war nicht zu denken. Doch das bremste die Jungs von Carlo Forte keines Wegs aus. Alle drei hatten einen super Lauf. Nikita fuhr einen verdienten 3. Platz ein. Knapp dahinter landete Tobi auf dem 4. Platz. Josch, der am letzten Anstieg noch einmal angreifen wollte, sprang dabei unglücklicher Weise die Kette vom Rad. Durch diesen Defekt verlor er einige Plätze und wurde als 9. ins Ziel geschoben.
Glücklich und zufrieden mit dem Ausgang des Tages und in Vorfreude auf das, was am Sonntag noch kommen sollte, schaute sich das Team anschließend noch die Rennen der Elite Frauen und Männer an. Über die Manöver der ‘Profis’ waren alle sehr begeistert.

Samstag

Fotos von Tobi

Am Sonntag musste Nikita dann leider pausieren und somit fuhren Tobi und Josch allein ein weiteres Mal nach Borna. Den zweiten Renntags hat Josch wie folgt erlebt:

“Oiwawoi. Fünf Wochen. Seit fünf Wochen habe ich nicht auf dem Rad gesessen. Drei Wochen lang quälte ich mich mit einer hartnäckigen Bronchitis rum. Und jetzt das. Nach dem es mir gestern mehr als dreckig ging, bin ich mir nicht sicher, ob ich hier gerade das Richtige tue. Vor 20 Minuten hat ein Nieselregen eingesetzt und nun stehe ich in der ersten Startreihe. Neben mir Tobi. Ich blicke nach hinten. Scheiße! Die haben eine Lizenz. Die sind schnell. Einfach nur Mitrollen, habe ich eben noch zu Tobi und Karsten von veloheld, der heute ebenfalls am Start ist, gesagt.
Ja, ‘Jedermann’ sollte eigentlich ‘Jedermensch’ heissen! Denn es sind schließlich alle am Start…Lizenz, Hobby, Frau, Mann, jung, alt. Und alles dazwischen darf auch noch mitmachen. Im Starter_innenfeld befinden sich vier Frauen. Unteranderem Lisa, die seit ein paar Jahren bei der Frauen Elite gut mitmischt. Ebenso zwei Bike-Mechaniker aus Tschechien, die eben noch ihren Teamfahrer in der Wechselzone supportet haben, fahren mit. Ein schöner Mischmasch aus allem, was die Radsportszene zu bieten hat.
Das zweite Mal an diesem Wochenende stehen wir neben der Glückauf-Halle in Borna. Gestern durften wir noch als erste auf den frischen Kurs des zweitätigen Finale Deutschlandcup Cyclocross. Heute heisst es 40 Minuten auf dem ausgefahrenen Kurs als Allerletzte das Beste draus machen. 40 Minuten. Nieselregen. Kälte. Eine Startreihe. Ich-Rolle-Nur-Mit! Startschuss!
200 Meter später geht’s auf die Wiese. Tobi befindet sich an der Spitze. Ich reihe mich irgendwo in den Top 10 ein. Wie bitte? Gegenanstieg. Steile, schnelle Abfahrt. Alles wackelt. 100 Meter Asphalt. Und ab dafür. Lange, steile Laufpassage. Meine Oberschenkel brennen unerwartet weniger als gestern. Ich schaue mich um. KaMü ist direkt hinter mir und macht Druck. Was soll’s, ich probier’s mal, denke ich mir.
Borna hat fiese Huckel. Ich kette die ganze Session schon 40-17. Ich hatte keine Lust umzubauen. So ist mein Gang auch diesmal wieder ein bisschen zu dick, aber egal. Die Huckel machen zu schaffen. Am zweiten bleibe ich hängen. Mist, eine Lücke vor mir. Ich brauche bis zum Ende der ersten Runde, um sie zu schließen.
Wieder diese scheiß lange und steile Laufstrecke. Hinter mir ist ein Loch. KaMü und sein Begleiter sind weg. Vor mir zwei Fahrer. Ich erkenne Martin aus Tschechien. Wir hatten kurz vor dem Start noch miteinander gequatscht. Ich fahre ran. Er fährt schneller. Wir beide ziehen davon. Überholen einen Fahrer vor uns. Auf den Geraden macht er Druck. Ich bleib dran so gut es geht. Im Matsch mache ich wiederum Meter gut. Ein schöner Zweikampf. Start/Zeil. Er ist zwei Meter vor mir. Abfahrt. Ich bin dran. Gegenanstieg. Oberschenkel brennen. Ich verliere fast einen Schuh, so steil ist es. Aber ich gebe nicht locker. Gerade, Martin macht schon wieder Meter gut. Abfahrt in die durchweichte Wiese. Und wieder bin ich dran. An der letzten Abfahrt steht die Radhaus-Crew und feuert mich an. Ich versuch es nochmal. Rad an Rad fliegen wir über die Wiese, rauf auf die Stadionbahn. Sprinten ohne Schaltung – wie dumm denk ich mir. Ich verstecke mich auf der Außenbahn. Martin schaut nach innen. Ich versuche es. 90 Meter sind es noch. Mein Vorderrad ist auf Höhe seines Hinterrads. Schiebt sich nach vorn zum Sattel. Lenker. Wir sind Seite an Seite. Er schaltet. Klick. Klick. Ich 30 Meter noch. Ich bin vorne. 20 Meter. Gleiche Höhe. 10 Meter. Martin ist vorne. Ziel.
Tobi wartet schon auf mich. Jaja, nur mal Mitrollen, sagt er. Er ist direkt vor uns beiden ins Ziel gekommen. Naja, aus nur mal Mitrollen wurde mal wieder eine sportliche Herausforderung. Aber hat auch wirklich Spass gemacht und die Strecke war ausgefahren auch wirklich doppelt so schön, wie noch am Vortag. Martin und ich: High five! Alles gut!

Sonntag

Fotos von Tobi  und kreuzbube

Die Organisation der Veranstaltung war wirklich großartig und die Strecke war Top! Dieses Rennen kann wirklich als Feuertaufe für die Deutschen Meisterschaften 2015 gesehen werden und ganz klar als bestanden gelten.

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Deutsche CX-Meisterschaften – Döhlau

Manchmal haste einfach keinen Bock!

So ging’s den Jungs nachdem sie das Preview-Video zur Deutschen CX-Meisterschaft im fränkischen Döhlau angeschaut hatten. Asphaltpassage bergauf. Feld wieder runter und einmal rund um den Fussballplatz. Das Video sorgte nicht gerade für Dopamin in ihren Adern. Nichtsdestotrotz entschieden sich Tobi, Nikita und Josch am 2. Januarwochen ihre Taschen zu packen und gemeinsam in den Süden aufzubrechen.

Hier Josch´s Eindrücke von den CX-Meisterschaften in Döhlau:

CX-Meisterschaft bedeutet in die Gelegenheit zu kommen einmal die richtig “guten” Fahrer, wie Meisen und Walsleben, die sonst ihr Geld in Belgien verdienen, auf dem Rad zusehen. Daher haben wir uns bereits in die frühen Morgenstunden nach Döhlau aufgemacht. Am Vormittag angekommen, parkten wir erstmal und besichtigten die Strecke. Und siehe da, Meisen dreht gleichmal ein paar Proberunden. Wir schauen aufmerksam zu und prägen uns die ein oder andere schnelle Linie ein – in der Hoffnung es ihm am Nachmittag gleichzutun.

Als die Senioren auf’s Rad steigen greifen Tobi und ich zu unseren ausrangierten Crossrahmen und machen am Streckenrand gut Stimmung. Wir schlagen auf die Rahmen ein, brüllen die Fahrer an und auch der einige Teilnehmer honorieren unsere gute Laune mit einem wohlwollenem Lächeln. Nachdem ersten Rennen wird uns schnell klar: Die Langeweile ist vorbei. Aus der Ackerabfahrt wurde eine tiefe Schlammabfahrt, die in Teilen 30cm tief und unfahrbar ist. Aus der langweiligen Sportplatzrunde ist eine schnelle schmierige Grasspassage geworden. Dazu kommen matschige Abfahrten und schlittrige Kurven. Ein Mix aus Adrenalin und Dopamin verbreitete sich in unseren Körpern.
Dazu kommt schließlich ein bisschen Aufregung. Wir stehen zu dritt an der Startlinie. Mit uns haben gut 35 weitere Fahrer ihren Platz in der Startbox eingenommen. Die UCI Kommissare sind entspannt. Keiner nervt wegen schief angebrachten Startnummern, niemand misst die Breite der Lenker oder stülpt Schablonen über Reifen. Strecke gut. Stimmung gut. 3-2-1-LOS!

Wir heizen die Start/Ziel-Gerade runter und sind gespannt was in der ersten schmierigen Abfahrt passieren wird. Die Strecke wird enger, das Feld quetscht sich durch die erste Abfahrt. Stau. Nikita und Tobi kommen gut weg. Nikita mischt vorne mit. Ich reihe mich nach einem eher entspannten Start fast ganz hinten ein und warte das Gedrängel ab. Aber nach den ersten Kurven lege auch ich einen Gang zu. Es folgt eine kurzen Rampe und anschließend geht’s auf den Asphaltanstieg. Ich verschaffte mir erst einmal einen Überblick. Nikita irgendwo ganz ganz vorne. Er will es mal wieder wissen und greift an. Tobi gut 15 Plätze vor mir. 3-2-1-Aufholjagt!

Die Runde ist dynamisch. Trotz des schmierigen Untergrunds sind alle Passagen insgesamt recht schnell fahrbar. Nach dem Asphaltanstieg kommt die Feldabfahrt. Am Rand hat sich eine Spur gebildet die über 2/3 des Feldes okay fahrbar ist. Aber irgendwann wird’s zu tief. In der ersten Runde Reihe ich mich hinter den anderen Fahrern ein und folge der noch relativ festen Spur. Danach geht’s wieder auf die Wiese. Mein Lieblingsteil! Während meine Reifen über die Wiese rollen, ist fast so etwas wie eine kleine Welle vor dem Vorderrad. Idealerweise sind an dieser Stelle die Kärcher zum Fahrrad reinigen aufgebaut und das Wiesenstück ist durchnässt. Ich mag das. Auf solchen Stücken bin ich schnell. Linkskurve. Rechtskurve. Ich mache ein paar Plätze gut. Ich werde warm. Hinter den Pits kommt eine Wende und kurz darauf springen alle von den Rädern. Kleiner Treppenanstieg. Rauf auf’s Rad. Runter vom Rad. Ab in den Schlamm. 60 Meter rennen. Entlang am schrägen Hang. Über die Brücke. Aufspringen. Weiter. Der Abschnitt rund um den Sportplatz ist gespickt mit ein paar Wenden, zwei Barrieren und drei fiesen kleinen Schikanen, die natürlich einen steilen Anstieg beinhalten. Kurz gesagt: Scheiße anstrengend, aber irgendwie fetzt das heute. Danach geht’s wieder auf die 200 Meter Start/Ziel-Gerade.

In der nächsten Runde versuche ich mein Glück im Dreck. Ab in den tiefen Schlamm und einfach haken. Ich mache 3-4 Plätze gut, da ich mich diesmal nicht hinten einreihe, sondern einfach mal schaue wo mich der Schlamm hintreibt. Klappt ganz gut. Bis mein Vorderrad stecken bleibt. Ich springe vom Rad und merke mir die Stelle. Renne 10 Meter und wieder rauf auf’s Rad. Hochprofilfelgen.

It’s all about the hochprofil, baby!
In der Laufpassage kassier ich den nächsten Fahrer. Tobi kommt so langsam näher. Im Start/Ziel hat er noch gut 50 Meter Vorsprung. Welten im Cycloross! Wieder geht es runter in den Matsch. Gegenanstieg. Ich springe vom Rad. 3-4 Schritte. Ich bin oben. Ab auf den Asphaltanstieg. Erneut zwei Fahrer kassiert. Im schlammigen Feld bin ich an Tobi’s Gruppe dran. Yeah! Keine 200 Meter weiter gibt’s eine kleine Show für die Jungs in der Wechselzone. In der Kurve direkt davor überhole ich Tobi auf der Innenseite. Doch mir rutscht das Hinterrad weg. Schräglage extrem! Aber abgefangen. Die Strecke liegt irgendwo links von mir. Ich fahre spontan durch die Wechselzone. Und was habe ich erst 2 Wochen vorher bei Svenness gelernt? Richtig: Niemals nie einfach durchfahren. Ist verboten und so. Also vom Rad abspringen und wieder drauf. Mache ich alles ganz vorbildlich und erhalte sogar noch Szenenapplaus. Tobi ist wieder ein Stück weg. Ich atme erstmal eine Runde durch. Atmen tut gut, sagt mein Kopf.

Drei Runden noch. Von hinten sprintet jemand auf der langen Gerade an mich herran. In einer engen Linkskurve überrunde ich einen Fahrer und entscheide mich direkt danach für die Kampflinie, wodurch ich meinen Verfolger ein wenig ausbremse. Hab ich auch bei Svenness gelernt. Meinem Verfolger kommuniziere ich jedoch, dass er an der kommenden Rampe lieber links fahren soll. Ich habe ja keine Schaltung und springe an der Stelle vom Rad. Er fährt vorbei. Am Asphaltanstieg bedankt er sich und legt los. Dickes Blatt. Raus aus dem Sattel. Weg ist er. Ich schreie ihm noch hinterher, dass er sich dem Typen vorne links in dem grünen Trikot schnappen soll. Der ist eh schon platt. Doch Tobi hat durchaus noch Reserven. Nachdem mir gerade eben 25 Meter auf dem Asphaltanstieg abgesprintet wurden, komm ich auf dem 200 Meter langen schlammigen Feld wieder ran. Wir sind jetzt zu viert. Tobi, der “Sprinter” auf einem Crux und noch ein vierter Fahrer. Eine halbe Runde später zieht Tobi an. Und der Vierte im Bunde fliegt aus der Gruppe. Zwei Runden. Wir sind zu Dritt und machen Tempo. Wir machen Boden gut. Am Asphaltanstieg saugen wir uns an Nikita heran. Tobi macht schon wieder Tempo. Auf der nassen Wiese überhole ich. Nikita feuert mich an. Ich gebe nochmal alles und versuche an Tobi dranzubleiben. Wir sind zu Zweit. Und kassieren einen weiteren Fahrer.

Letzte Runde! Tobi hat mir auf der Zielgerade 10 Meter abgenommen. Auf dem Asphaltanstieg kann ich die Distanz konstant halten. Oder besser gesagt: Tobi hält mich konstant hinter sich. Auf der Wiese komme ich auf 5 Meter an ihn heranfahren. Duell! Ich kann nicht mehr, aber ich gebe nicht nach. Hinten am Sportplatz vorbei. Tobi macht Boden gut. 180Grad Wende. Runter vom Rad. Barrieren. Kleiner fieser Gegenanstieg mit einer direkt folgenden Schikane. Ich gebe auf. Tobi hält mich auf 5 Meter Abstand zu sich. Ich komme einfach nicht ran. Er hat mal wieder gewonnen. Die letzten 100 Meter fahre ich einfach nur durch und biege auf die Zielgerade, wo Tobi wartet. Wir fahren gemeinsam ins Ziel. Yeah! What a fight! Hinter uns rollt Nikita durchs Ziel. Er hat auch noch einen Platz gut gemacht und sorgt damit für eine geschlossene Mannschaftsleistung. Yeah! Yeah! Yeah!
So ist das also manchmal. Da haste keinen Bock. Erwartest langweiliges Wiesengebummel und dann BAMM! Cyclocross vor die Fresse!

Results: Carlo Forte belegt die ersten 3 Plätze: (1)1. Tobi, (1)2. Josch und (1)3. Nikita!

Ein gelungener Ausflug. Tobi beweist mal wieder, dass er der Schnellste unter den Krokodilen ist. Nikita zeigte trotz Schlafmangel und doppeltem Frauenvergnügen zuhause eine super Leistung. Und Josch holte sich den inoffiziellen Deutschen Singlespeed Meistertitel zurück.


Fotos von Tobi

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Bioracer Cross Challenge – Chemnitz – Finale

This is the end my friend!

Irgendwann hat die sonntägliche Routine auch einmal ein Ende. Oder zumindest eine Unterbrechung. Diese Unterbrechung heisst Jahr für Jahr Chemnitz und am ersten Sonntag im Dezember war es wieder soweit. Vorbei die Zeit des wöchentlichen Rennsporttaschepackens. Vorbei die Zeit des nach nur vier Stunden Schlaf Ausdembettquälens. Vorbei die Zeit des Durchdenschlammraddelns. Aber dazu später mehr…

Der 01.12.13 begann für das Team Carlo Forte also wieder einmal in den frühen Morgenstunden. Nachdem das Tobimobil beladen war und der obligatorische Bäckerstop absolvierte wurde, machten sich die Krokodile auf nach Chemnitz. Gemeinsam sitzen Tias, Tobi und Josch im Bus und witzeln darüber, welche Überraschungen die Chemnitz die letzten Jahre für sie bereit hielt. Chemnitz stellte stets eine Herausforderung dar, ob bedingt durch das Wetter oder einer anspruchsvollen Rennstrecke. Doch nachdem die Fahrer_innen in den letzten Jahren mit Schlamm und Schnee zu kämpfen hatten, freuten sich die Herren nun auf entspanntere Bedingungen. So gingen es die Krokodile nach ihrer Ankunft zunächst ruhig an und begutachteten die Strecke zu Fuß. Und siehe da – Überraschung: Chemnitz wartete in dieser Saison mit einer neue Streckenführung auf. Neben der steilsten Treppe der gesamten Bioracer Cross Challenge, die eher als Steig als als Treppe zu bezeichnen ist, wurde ein weiterer steiler Treppenanstieg integriert. Dazu kommt eine tiefe matschige Laufpassage und technisch sehr anspruchsvolle Wiesenhänge, die mal rauf und mal runter gefahren werden müssen. Ja, Chemnitz ist und bleibt Cyclocross. Matschig. Rutschig. Technisch. Cyclocross par exellence.

Hier nun das Rennen aus Josch´s Perspektive.

14:00 Uhr. Umgezogen. Lenker in den Händen. Ein Schuh im Pedal eingeklickt. Im Krokodiloutfit stehen wir zu Dritt im erfreulich grossen Starter_innenfeld. 3…2…1…GoGoGo!

Knapp 35 Fahrer_innen sprinten um die ersten zwei Kurven, bevor es in den Schlamm geht und die Strecke enger wird. Tobi fährt vor mir, Tias ein paar Platzierungen dahinter. Wir springen vom Rad und müssen gleich die erste Treppe meistern. Sofort danach erfolgt eine steile, schlammige Abfahrt. Mit geschultertem Rad geht’s anschließend für alle durch knöcheltiefen Schlamm. Rechtskurve. Jetzt kommt der “Klettersteig”. Aber huch. Was ist das? Direkt vor mir steckt eine Schuhsohle im tiefen Schlamm – Materialschlacht, denk ich mir. Nicht nur die Räder leiden. Nein. Auch die Kleidung. Egal. Ausblenden und den Steig hoch. Rauf auf’s Rad und rum um die Chemnitzer Radrennbahn. Mein Herz schlägt gegen meine Brust. Tobi ist zwei Plätze vor mir. Raus aus dem Sattel. Beschleunigen. Hinterrad. Dranbleiben.

Eine Runde später. Tobi kassiert zwei Fahrer vor ihm. Ich fahr hinterher. Kurz vor dem Wiesenabschnitt ziehe ich an Tobi vorbei. Naja. Ganze 5 Sekunden kann ich den Vorsprung halten. Vor der nächsten Wende holt er mich wieder eine. Und nur kurz danach liege ich am Boden und verpasse meinem grünen Trikot einen weiteren grasgrünen Anstrich. Aber kein Drama. Aufstehen. Rauf auf’s Rad. Weiter geht’s. Ich kann Tobi’s Hinterrad ein paar Meter vor mir sichten.

Noch eine Runde später. Gleiche Stelle. In meinem Kopf setzt sich die Gedanke fest, dass wenn ich es schaffe vor Tobi zu gelangen, kann er mich die nächste halbe Runde nicht überholen. Dass heisst: Jetzt oder nie! Ich setzt an. Und…liege ein zweites Mal im Dreck. Was mir mein Gehirn nun klar und deutlich zu verstehen gibt ist, dass ich niemals nie an einer Stelle, an der ich soeben im Schlamm gelegen habe, versuchen sollte noch schneller zu sein und jemanden zu überholen. Doch für eine Auswertung bleibt nach dem Rennen genügend Zeit. Jetzt muss es weiter gehen. Wieder rauf auf’s Rad. Der Vorsprung auf die Gruppe hinter uns, den wir uns in den ersten Runden erkämpft haben – hart erkämpft haben – ist weg. Zwei Kurven später, wir sind noch immer auf dem Wiesenstück, sehe ich Micha und Tilo aus Dresden am Streckenrand. Ich schau nach links, fahre nach rechts und WUTSCH. Ich lieg schon wieder. Zwei Fahrer düsen an mir vorbei. Erneut meldet sich mein Kopf…doch egal! Ich sag später einfach Micha und Tilo haben mich umgeschubst!

Eine halbe Runde noch. Ich fahre wieder an die zwei, die mich soeben überholt haben heran, doch mehr ist nicht drin. Kurz darauf rolle ich auf Platz 12 ins Ziel. Ich bin dreckig. Ich schwitze. Ich röchle statt zu atmen. Aber mein Gesicht zeigt ein breites Grinsen. Tobi, der sich den 9. Platz gesichert hat, wartet im Ziel. Auch er lächelt. Gemeinsam nehmen wir Tias in Empfang. Yeah! Chemnitz! Immer wieder eine Reise wehrt!

Nach ein paar Jahren Bioracer Cross Challenge kennen wir einige Gesichter gut, ob unter den Veranstalter_Innen, Helfer_Innen oder Fahrer_Innen. Mit einigen sitzen wir nach dem Rennen noch zusammen und lassen uns einen leckerer veganen Kuchen schmecken, den Tobi zum Abschluss einer tollen Saison für uns kredenzt hat. Ein perfekter Ausklang!

In diesem Sinne. Belgique Chic. Wir sehen uns im nächsten Jahr!

Fotos von Tias und Tobi

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Frohes Neues Jahr!

frohes neues jahr!
Foto von Tobi

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Deutschlandcup Cross – Kleinmachnow

Anfang 2012 waren Josch, Nikita und Tias bei der Deutschen Cyclocross Meisterschaft in Kleinmachnow und noch heute berichten sie mit einem Leuchten in den Augen von der großartigen Strecke und der tollen Atmosphäre vor Ort. Im Rahmen des Deutschland Cups gab es nun ein weiteres Mal die Gelegenheit sich durch den brandenburgischen Sand zu wühlen. Josch, Nikita und Tias konnten in diesem Jahr leider nicht die Zeit aufbringen, um nach Kleinmachnow zu fahren. Doch Tobi ließ sich das Ganze nicht entgehen und machte sich kurzer Hand allein auf den Weg Richtung Norden.

Hier Tobi´s Eindrücke vom Tag.

6:00 Uhr der Wecker klingelt. Ich schau aus dem Fenster und es regnet Bindfäden.
Hm…okay 170 km nördlich kann es schon anderes aussehen. Ich mach los, Dauerregen auf der Autobahn.
Kurz vor’m Dreieck Potsdam kommt für einen Moment die Sonne leicht hinter den Wolken hervor.
Nur noch Nieselregen…Perfekt. Von oben nass muss nicht sein.
SMS von Nikita:
“…viel Spaß im Sand und Schlamm…fühl dich ‘Walsleben’ für 30 min…” Das nenn ich Motivation!
Angekommen mach ich mich gleich auf den Weg zur Anmeldung und besichtige einen Teil der Strecke schon mal zu Fuß. Umziehen und los, wenigstes noch einmal die Strecke abfahren. Viel Zeit ist nicht mehr zum Start der Hobbyfahrer_innen.
So langsam finden sich alle am Start ein… hm ganz schön übersichtlich.
14 Starter und eine Frau stehen an der Startlinie.
Leider… ich hatte mit mehr gerechnet. Auch die Orga berichtet vom Deutschlandcup vor knapp zwei Jahren mit zwei Startblöcken. Neben mir in der Reihe steht Mike aus meiner alten Hood. Ein bekanntes Gesicht, ein paar Minuten zum Schwatzen und los geht’s.
Langsam sind auch die Hobbyfahrer_innen nicht. Ich finde das Hinterrad von Mike.
Na da – erst mal dranbleiben. Und schon kommt die erste Tragepassage hinauf auf die Düne und weiter geht’s den Singletrail durch den Wald. Und noch mal den Sandkasten hoch und runter durch den Sand und noch mal und ab Richtung Wiese die auch ganz schön matschig ist. Kurz vor Start Ziel kann ich noch zwei überholen. Und ab in die nächste Runde. Ich komm gut durch. Bing, bing letzte Runde es läuft gut und vorbei.
Geschafft, ein tolles Rennen und eine geniale Strecke.
Ich schau mir noch die anderen Läufe an. So langsam füllt sich auch der Steckenrand mit mehr und mehr Zuschauer_innen. Die Stimmung ist toll und oben auf der Düne gibt es die Möglichkeit die Fahrer_innen ohne große Wege oft zu Gesicht zu bekommen.

Kleinmachnow ich komm wieder, nächstes Jahr bestimmt!

Natürlich interessiert niemanden Platzierungen…Glückwunsch vom gesamten Team an Tobi für den 3. Platz!

Fotos von Tobi

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Bioracer Cross Challenge – Holzhausen

Endlich war’s soweit. Sechs lange Wochen mussten wir drauf warten, doch nun haben wir den Punkt erreicht, an dem wir tief in die Pathos-Kiste greifen können: Sechs Tonnen Schlamm. Zwölf abgerissene Schaltwerke. Ein komplett zerlegter Rahmen. This is Cyclocross!

Holzhausen hat mit allem aufgewartet, was wir bei den Crossrennen der vergangenen Wochen oft vermisst haben. Pünktlich zur Anreise zog sich der Himmel über uns zu und es begann zu regnen. Somit stand von der ersten Minute an fest, dass wir am heutigen Tag den legendären Holzhausener Acker kräftig umpflügen werden. Aber fangen wir von Vorne an…

Sonntag. 14:15 Uhr. Holzhausen. Fast vollzählig steht das Team Carlo Forte an der Startlinie des vorletzten Rennens der Bioracer Cross Challenge. Quasi eine Hausrennen, denn Holzhausen liegt direkt vor den Toren Leipzigs. Mit dabei sind Josch, Nikita, Tias und Tobi. Auch Mr. Michael Hull ist wieder einmal mit am Start. Insbesondere für ihn, soll das Rennen eine Odyssee werden, dazu aber später mehr. Ebenfalls vor Ort ist Martin. Da er und seine Freundin im Spätsommer Nachwuchs bekommen haben, hat Martin seine Rennkleidung in dieser Saison an den Nagel gehangen und gönnt sich eine Pause. Doch heute sind die drei trotzdem mit dabei. Gemeinsam mit Haike und Tanja sorgen sie für etwas Stimmung am Streckenrand. Die Anwesenheit und der lautstarke Support spornte die Krokodile kräftig an und lässt sie für kurze Zeit das Brennen in den Oberschenkel vergessen.

Die wie immer chaotische Startaufstellung ändert nichts daran, dass alle gut gelaunt ins Rennen starten. Denn endlich hieß es wieder Kette rechts und rein in den Dreck. Nachdem alle 35 Fahrer_innen ihre Crosser die ersten 20 Meter durch den Schlamm schieben mussten, war allen klar, dass die Clickpedalen heute deutlich weniger clicken werden als gewöhnlich. Die klassische Plattformpedale hätte unter den hiesigen Bedingungen viele Vorteile mit sich gebracht, doch spätestens nach der dritten Runde spielte auch das kaum noch eine Rolle, denn die Sorgen der Fahrer_innen lagen da schon wieder ganz woanders. Das epische Moment dieses Sonntags sollte, wie so oft, nicht die Platzierung am Ende des Rennens sein, sondern das Duell Menschmaschine vs. holyfuc*ingMUD, was alle Fahrer_innen auszutragen hatten.

Das Schlamm-Desaster aus Krokodilsicht: Allein in der 1. Runde rutschte Josch dreimal zu Boden. Doch dies sollte nicht der einzige Bodenkontakt für ihn bleiben. Und auch mit der Pedal-Problematik hatte er zu kämpfen. Abgesehen davon, lief das Rennen für ihn ganz rund. Sein schlammbesudelter Körper zeugt allerdings davon, dass seine Fahrtechnik ausbaufähig ist. Tobi ging insgesamt nur ein Mal zu Boden, muss jedoch ab der zweiten Runde vollkommen auf seine Eggbeater verzichten. Tias stürzte in der zweiten Runde bei der Abfahrt schwer und musste sich leider aus dem Renngeschehen verabschieden. Und auch Nikita, der bis zur vorletzten Runde ein super Rennen hinlegte, ging auf der Abfahrt ordentlich zu Boden. Durch den Sturz nahmen seine Vorderradbremse und sein Hinterrad Schaden, und obwohl er versucht noch weiterzufahren, musste er nach wenigen Metern feststellen, dass es rein technisch nicht möglich war und beendete deshalb frühzeitig das Rennen.

Nachdem sich der Schlamm hartnäckig an den Pedalen, Kurbel, Reifen und Bremsen – ja eigentlich überall – festgesetzt hatte, begannen die Schalt- und Bremsprobleme. Josch, der wie immer mit seinen Singlespeeder unterwegs war, freute sich insgeheim über jedes abgerissene Schaltwerk. Im Rennen der Elite hatten sich insgesamt 8 Fahrer_innen ihre Schaltwerke quer durchs Hinterrad gezogen und auch im Hobbyrennen hat es nach der 3. Runde 2 Teilnehmer_innen erwischt. Zu guter Letzt traf es auch noch Michael, der Pechvogel der Session. In der bisherigen Challenge hatte er bereits zwei Reifenpannen, zwei schwere Stürze, ein kaputtes Hinterrad und nun noch das. In der vorletzten Runde passierte er den Start/Zielbereich zu Fuß, den Crosser geschultert, und die Worten: “What a shitty day!” stand dem sympathischen Briten buchstäblich im Gesicht geschrieben. Michael hat sich nicht nur das Schaltwerk abgerissen, sondern gleich den kompletten Hinterbau seines schönen Unique-Crossers geschrotet. Josch’s tröstende Worte dazu: “Nun kann dir Sören endlich Singlespeed-Ausfallenden einlöten!”.

Ach ja, und dann war da ja noch das Problem mit den Bremsen. Das an schlammigen Tagen das Bremsen – oder sagen wir besser das Verzögern - mit dem Crosser durchaus ein Problem darstellt, ist wahrscheinlich allen bekannt. Stürze, bei denen die Fahrer_innen direkt über den Lenker absteigt, da die Vorderradbremse komplett versagt, sind zum Glück eine Seltenheit. Steve vom Radhaus zwang das Blockieren seiner Bremsen dazu sein Rad immer wieder zu Schultern, anstatt auf ihm zu fahren. So passierte er als Fahrer mit den meisten “Renn-Kilometern” im Gepäck die Zielgerade. Eine starke Leistung!

Trotz der vielen Widrigkeiten, kleinen und größeren Unfälle, ist niemand ernsthaft zu Schaden gekommen. Alle hatten verdammt viel Spaß. Denn eins ist sicher: Kälte, Schlamm und Dreck. This is Cyclocross!

Wem am Ende doch noch die Platzierung interessiert, dem_der sei verraten, dass das Team, trotz des Ausfalls von Nikita und Tias, ganz gut abgeschnitten hat. So kam Tobi auf Platz 6 und Josch nur knapp dahinter auf Platz 7 ins Ziel.

Nächsten Sonntag geht’s auf nach Chemnitz, zum letzten Rennen der Bioracer Cross Challenge 2013. Die Krokodile können es kaum erwarten und hoffen auf Schnee!

Fotos von TanjaMartin & Tobi

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