Sommer der Brevets

Für Tias stand der Sommer 2012 ganz im Zeichen der Brevets. Erneut hatte er sich vorgenommen so viele Langstreckenfahrten wie möglich zu absolvieren. Bereits letztes Jahr quälte er sich bei Sonne und Regen, von den frühen Morgenstunden bis spät in die Nacht auf den Asphaltstraßen der Republik Kilometer für Kilometer und nahm an der 200er, 300er und 400er Brevets in Sachsen teil. Da Olaf, der Veranstalter der Touren, ein Jahr nach Paris – Brest – Paris, nur zwei Brevets ausrichtete, entschloss sich Tias ebenfalls bei der Brevet-Serie in Brandenburg an den Start zu gehen.

Foto von Tobi

Trainingseinheiten…
Nachdem Tias am 17.03.12 und 14.04.12 erfolgreich die 200er und 300er Brevet in Brandenburg hinter sich gebracht hatte, stand am 28.04.12 die erste Langstreckenfahrt in Sachsen an. Diese zog sich 200 Kilometer quer durchs Spargelland. Start war wie immer an der Turnhalle in Benewitz. Dort fanden sich bei schönstem Frühlingswetter eine Menge bekannte Gesichter ein. Auch Tias ging diesmal nicht allein an den Start. Es begleiteten ihn seine Carlo Forte Teamkollegen Martin und Nikita. Die Voraussetzungen für einen schönen Tag auf dem Rad waren also bestens. Mit den beiden ging es zügig zur Sache. Da wurde nicht lange gefackelt und nach einem 32er Schnitt auf 200 Kilometer waren die Beine am Ende des Tages ziemlich schwer, was sich Dank des Fahrspaß allerdings voll und ganz gelohnt hat.


Foto von Tobi

Foto von Arne

Kein Kinderspiel mehr…
Eine Woche später ging es auch gleich weiter, und zwar mit der 400er Brevet in Brandenburg. 400 Kilometer – das ist kein Kinderspiel. Da heißt es Zähne zusammenbeißen und durchhalten. Start war Samstag 07:00 Uhr morgens und das bei Regen. Natürlich musste es wie immer schnell gehen, also Regenjacke übergezogen und rauf aufs Rad. Der überstützte Aufbruch sollte sich jedoch als ein Fehler erweisen. Denn der Regen wurde immer stärker. „Aber anhalten auf den ersten Kilometern? Nein!“ Also fuhr Tias plitschnass weiter. Die Bedingungen auf dieser Brevet waren mehr als bescheiden und Tias merkte bereits auf den ersten 20 – 30 Kilometer, dass das heute nicht sein Tag werden sollte. Dazu kam, dass er aufgrund einer Erkältung bereits angeschlagen war. So schniefte er dahin und musste sich kurzerhand eingestehen, dass er die Geschwindigkeit der ersten Gruppe nicht halten konnte und ließ sich rausfallen. „Einfach kein Druck auf dem Pedal.“ Die nächsten 120 Kilometer fuhr er schließlich allein weiter. Zum Glück hörte es irgendwann auf zu regnen, und somit trockneten wenigstens die Klamotten ein wenig. Die schweren Beine jedoch bekam Tias auch trotz Sonnenstrahlen zu spüren. Im Kopf überschlugen sich die Gedanken „Einfach aufhören? Den Zug zurücknehmen? Hm…“ Doch dann holte ihn eine 4er Gruppe ein und er hing sich an sie ran. Das war es, was er gebraucht hatte. Plötzlich lief alles gleich viel besser. Nur der typische Brandenburger Wind drückte der Gruppe ordentlich ins Gesicht. Zu Fünft fuhren sie bis Kilometer 240. Dann legten sie erst einmal eine ordentliche Pause ein. Doch nach der Erholung wurde das Wetter wieder schlechter. Der Himmel zog sich erneut zu. Alles war einfach nur Grau. Die Temperaturen fielen ab. Der Wind wurde stärker. Die Strecke zog sich an der Oder entlang. 60 Kilometer Deich wirkten demotivierend „Schon komisch, wie lange so ein Kilometer sein kann, wenn mensch sie mitzählt…“ Bei Kilometer 300 machten sich die Fahrer_innen für die Nacht fertig. Es wurde kalt und Tias merkte die Müdigkeit in ihm aufkommen. „Die Beine sind leer!“ Als es ab Angermünde wieder in Richtung Berlin ging, erfuhr er allerdings noch einmal ein Hoch und trotz kleinerer Anstiege, die sich nach 300 Kilometern fast wie Berge anfühlten, kam er gut voran. 30 Kilometer später fing es abermals an zu regnen, was sich bis ins Ziel nicht ändern sollte. „Noch 60 Kilometer – einfach durchhalten! Und bloß nicht anhalten!“ Die Temperaturen fielen auf 3 – 4 Grad. „Sau kalt!“ Um 01:52 erreichte Tias „wie ein kleiner Hund auf kalten Fliesen zitternd“, aber überglücklich, das Ziel. Auf den letzten 5 Kilometern bis zur warmen Dusche, legter er noch einen einzigen Stop ein, und zwar für 2 Falafel und 3 Ayran! Am Ende standen schließlich 403 Kilometer und 19 Stunden auf der Uhr.

„Die Füße schreien!“
Das Highlight der Brevet Saison, die 600er, fand schließlich am 16.06.12 statt. Und trotz dessen der Start für 07:00 Uhr angesetzt war, lag Tias um 04:30 Uhr hell wach in seinem Bett. „An Schlafen ist nicht mehr zu denken!“ Also ging es ab zum Start. 06:00 Uhr morgens, irgendwo in Berlin. Doch Tias war nicht der einzige Frühaufsteher. Somit wurde also noch gemeinsam gefrühstückt, bevor es für die Teilnehmer_innen um 07:00 Uhr auf die Strecke ging. Und als hätte es nicht anders kommen können, fing es pünktlich zu Beginn der Brevet an zu regnen. Und wieder einmal hatte Tias seine Regenkleidung im Rucksack. „Umziehen? Keine Zeit!“ In einer Gruppe von 15 – 20 Fahrer_innen fuhr er los. Nach 80 Kilometern erreichten sie die erste Stemplestelle und die große Gruppe löste sich auf. Der Regen machte Pause, die Klamotten trockneten etwas. Allerdings hielt dieser Zustand nicht lange an und bei Kilometer 150 wurde es wieder Grau in Grau. Die kleine Gruppe, in der Tias nun unterwegs war, düste über Polnische Landstraßen. Sie kamen in einen Kreisverkehr. Für eine Sekunde passte Tias nicht auf und Schwups lag er am Boden. „Typischer Wegrutscher! Mist!“ Knie und Hüfte waren aufgeschürft, aber bis dato hatte er weder Schmerzen, noch hatte das Rad einen Schaden davongetragen. Also weiter! Doch es sollte noch schlimmer kommen. Nun schüttete es wie aus Eimern. Der Regen wurde so stark, dass die Fahrer_innen kaum noch die Straße erkennen konnten. Außerdem mussten sie aufpassen, dass die Wellen, die die Autos produzierten, sie nicht von der Straße fegten. Bei Kilometer 160 – 170 hielt Tias reflexartig an und ließ die Gruppe davonziehen. „Was mache ich eigentlich hier?“ Er fuhr in den Ort, den sie gerade passiert hatten, zurück und suchte in einer Bushaltestelle Schutz vor dem Regen. Ein paar Minuten verstrichen. Doch trotz anhaltenden Schauern und einem angeschwollenem Knie entschloss er sich weiter zu fahren. An der zweiten Stempelstelle konnte Tias die Fahrer_innen, mit denen er zuvor unterwegs war, wieder auflesen und zog mit ihnen weiter. Bei Kilometer 190 entdeckten sie die erste Gruppe vor sich. Obwohl sein Knie schmerzte, fuhr er die Gruppe ran. Doch nach diesem Kraftaufwand, musste er sich nach weiteren 10 Kilometern geschlagen geben und riss ab. Sein Knie und auch die Hüfte ließen das Tempo einfach nicht zu. Die weiteren Kilometer flogen dahin. Bis Kilometer 360 war Tias nun allein unterwegs. Er fuhr sein eigenes Tempo und alles war gut. Schließlich traf er die vorgefahrene Gruppe, die dabei war sich für die Nacht vorzubereiten, wieder. Freudig stellt er fest, dass er bloß eine Stunde Rückstand zu ihnen hatte. Das ließ ihn hoffen. Ein anderer Fahrer entschloss sich seine Pause zu verlängern und erst nachdem Tias einen Kaffee und eine Cola getrunken hatte, gemeinsam mit ihm weiterzufahren. Für die nächsten 40 Kilometer hielt es sie zusammen, dann erreichten sie die nächste Stempelstelle. Tias sah auf die Uhr und realisierte, dass er ganze drei Stunden schneller unterwegs war, als bei der 400er Brevet. Es ist 23:00 Uhr und er saß seit 16 Stunden im Sattel. „Stolz wie Bolle“ ging es weiter. Immer noch zu zweit. Nach 45 Kilometern eine weitere Kontrolle. Nun schlug die Uhr Eins und Tias überkam die Müdigkeit. Vor allem die wenigen Stunden Schlaf in der Nacht zuvor machten sich bemerkbar. Aber nach zwei Kaffee hatte er sich wieder gefangen. Die Fahrt ging weiter. Die optimistische Stimmung war jedoch nur von kurzer Dauer. Denn die kommenden 80 Kilometer sollten die schlimmsten auf der ganzen Tour werden. Es war mitten in der Nacht und stockfinster. Tias Kompagnon entschied sich eine Pause einzulegen und machte in der nächsten Sparkasse ein kleines Nickerchen. Tias hingegen fuhr weiter. „Zu groß die Angst nicht mehr hochzukommen.“ Also wieder allein. Und es wurde bergiger. Nach all den Strapazen schlich er die Anstiege nur noch mit etwa 15km/h hoch. „Alles brennt. Die Füße! Sie sind nass und es schmerzt im Wiegetritt!“ Zum Glück ging langsam die Sonne auf und auch der Regen hielt Inne. Kopfsteinpflasterabschnitte hielten Tias wach. Sie zwangen ihn abzusteigen und zu schieben. Das positive daran: Abwechslung! Es erfolgte die letzte Kontrolle, bei Kilometer 520. Cola und Riegel Nr. 14 zum Frühstück. „Kein Hunger! Nur durchhalten!“ Die Uhr schlug 06:30 Uhr. Sascha, Tias Mitfahrer, der eine Pause eingelegt hatte, holte ihn nun wieder ein. Auch er war am Ende seiner Kräfte. Die letzten 80 Kilometer brachten die beiden gemeinsam hinter sich. „Durchhalten!“ Noch einmal erreichten sie 25 – 29 km/h. Die aufsteigende Sonne ließ das Tempo steigen. Es war Punkt 11:00 Uhr, als die Beiden das Ziel erreichten. Zu dieser Zeit waren sie ganze 28 Stunden unterwegs. „Wahnsinn!“ Das Laufen fiel Tias nun deutlich schwer. Überglücklich erreichte er seine Unterkunft bei Familie Parsley. „Geschafft!“ Fazit: 28 Stunden unterwegs, davon 23 1/2 Stunden im Sattel. 16 – 18 Riegel und einige Gels als Verpflegung. Wasser, Cola und Kaffee. Viele Motivations-Sms! „Dank!“

Im Rahmen der Brevet Saison in diesem Sommer verbrachte Tias also mehr als 1700 Kilometer auf dem Rad. Ein beeindruckender Ritt! Über diese persönliche Leistung ist er selbstverständlich mehr als glücklich. Seine Strategie: So wenige Pausen wie nötig einlegen und so schnell wie möglich in die Pedalen treten. Dieser Plan ging erfolgreich auf und soll im nächsten Sommer fortgesetzt werden. Allein die Distanz zwischen Kilometer 400 und 500, will er versuchen besser wegzufahren. Seine Teamkollegen drücken ihm die Daumen dafür!

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3 Antworten zu Sommer der Brevets

  1. Frank Wießner schreibt:

    Du verrückter Hund !!!
    und nächstes Jahr mal bissl Sprints trainieren😛
    Gruß CX-Frank

  2. mzjens schreibt:

    Respekt und Hut ab!

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