MAD EAST

Samstag. 22. Juni 2013. Wir rollen mit 50 Fahrer_innen durch den Wald. Nein, dass Rennen hat noch nicht begonnen, wir sind erst auf dem Weg zum Start. Welches Rennen? Mad East steht mal wieder auf dem Programm. Zwei Tage Erzgebirge. Nette Leute. Schöne Strecke. Lecker Schokoladenstückchen am Streckenrand.
Wir biegen links weg. Von hinten höre ich eine bekannte Stimme. “Singlespeed?! Hast du dir das gut überlegt?” Veloheld! Carsten rollt an mir vorbei. Nein. Ernsthaft Gedanken habe ich mir darüber nicht gemacht. Nicht einmal das Streckenprofil habe ich mir angeschaut. Daher ergab es sich eben, auch nicht über die richtige Übersetzung nachgrübeln zu müssen.

32/18. Neunundzwanzig Zoll. Rigid Fork!
Er sagte noch was von “Dieses Jahr wird’s so hart wie noch nie!”. Einen Tag und ein paar Stunden später denke ich mir: Dieses Jahr war noch nie so geil!
Aber los geht’s. Startschuss. Einklicken. Berghoch. Ja gefühlt geht’s die ersten fünf Kilometer nur bergauf. So langsam werde ich wach. Der Körper gibt nach 15 Kilometern das erste Feedback. Mein Kopf verarbeitet die Informationen und es bleiben genau zwei Dinge übrig: “Kauf dir ’ne Federgabel!” und “Bau dir ’ne Schaltung ans Rad!”. Aber nee, das kann ja jede_r. Es bleibt auch nicht viel Zeit zum Nachdenken. Ich sehe die Bobbahn. Die Bobbahn ist steil. Ich hasse die Bobbahn. Vier Minuten später mag ich die Bobbahn. So schnell bin ich hier noch nie hoch. Kurz etwas essen und weiter geht’s.
Die letzten Wochen hat’s fast ausschliesslich geregnet. Das macht sich bemerkbar. So ruppig waren die Abfahrten in den Vorjahren nicht. Gut ausgespült, steinig und schnell. Fahrspass pur. Ich mach allein 20 Plätze gut, da Leute links und rechts stehen bleiben müssen, um ihre Platten zu flicken. Bei mir läuft alles gut und ich bin irgendwo im vorderen Drittel unterwegs. Jetzt kommt die „Grüne Hölle“. 15 Kilometer bergauf. 50 Kurbelumdrehungen im Sitzen. 50 Kurbelumdrehungen im Stehen. Der Kopf schaltet sich ab. Ein automatisierter Prozess beginnt. Irgendwann komm ich in Zinnwald an und weiss, dass es nur noch ein paar Trailkilometer bis ins Ziel sind. Die Endorphine machen sich im Körper breit. Die letzten Kurven bis ins Ziel. Hell yeah! Tag #1 ist geschafft. #36.

Fotos von Robert Gebler

Hallo?! Muss das sein?
Traditionell startet Tag #2 am Skihang in Altenburg. Von unten nach oben. Logisch. Wohingegen ich gestern noch recht ambitioniert ins Rennen ging, hiess es auf den heutigen 100 Kilometern – einfach nur Ankommen. Zumindest wird mir das nach 55 Kilometern klar. Nach den ersten fünf musste ich innerlich Fluchen. Die schicken uns wirklich zwei Mal den Skihang hoch. Drecksbande. Egal. Das war dann auch relativ schnell geschafft und es ging weiter über Stock und Stein. Erfreulicherweise war der Trailanteil dieses Jahr weitaus höher und so schmerzten meine Arme nach jeder Singletrailabfahrt auf’s Neue – aber wir machen hier ja auch Sport. Nach vielen Kilometern Auf und Ab mach‘ ich an einer Verpflegungsstelle eine Pause. Hefekuchen! Yeah! So wirklich motiviert bin ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Also entscheide ich mich dazu, auf Felix zu warten. Nach 20 Minuten höre ich ein komisches Rauschen von hinten. Robert auf seinem Fatbike rollt heran. Nachdem er gestern die Mad East Enduro gefahren ist, hat er sich heute die dumme Idee in den Kopf gesetzt, die 100 Kilometer mit dem Fatbike zu absolvieren. Ja, wie sich gleich herausstellen wird, ist das eine dumme Idee. Nach ein paar gemeinsamen Kilometern stehen wir am Strassenrand. Sein Magen streikt. Er versucht sich zu übergeben. Das geht für die nächsten 40 Kilometer bis ins Ziel so weiter. Wir fahren den restlichen Tag zu Zweit. Mein Ehrgeiz war sowieso weg und so kurbeln wir entspannt Richtung Ziel und machen gemeinsam die Trails untersicher. Und zu guter Letzt geht’s dann auch noch die Endurostrecke, entlang des Skihangs, runter. Fahrspass! Mad East – Crew, alles richtig gemacht: 4/5 Punkte für die Streckenführung dieses Jahr.

Fazit: Mad East ist Singlespeed.

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Eine Antwort zu MAD EAST

  1. kreuzbube schreibt:

    Du hast das tatsächlich mit dem Eingangrad gemacht? Das schafft mich jetzt, denke ich doch angesichts der einsetzenden Herbststürme darüber nach, meins einstweilen in die Ecke zu stellen… Abgesehen davon, es scheint eine rundum gelungene Sache für Dich gewesen zu sein – und es wahr wohl besser, dass ich kurzfristig verhindert war. Ich glaub‘ ich bin zu alt für den Scheiß…

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