Bioracer Cross Challenge – Holzhausen

Endlich war’s soweit. Sechs lange Wochen mussten wir drauf warten, doch nun haben wir den Punkt erreicht, an dem wir tief in die Pathos-Kiste greifen können: Sechs Tonnen Schlamm. Zwölf abgerissene Schaltwerke. Ein komplett zerlegter Rahmen. This is Cyclocross!

Holzhausen hat mit allem aufgewartet, was wir bei den Crossrennen der vergangenen Wochen oft vermisst haben. Pünktlich zur Anreise zog sich der Himmel über uns zu und es begann zu regnen. Somit stand von der ersten Minute an fest, dass wir am heutigen Tag den legendären Holzhausener Acker kräftig umpflügen werden. Aber fangen wir von Vorne an…

Sonntag. 14:15 Uhr. Holzhausen. Fast vollzählig steht das Team Carlo Forte an der Startlinie des vorletzten Rennens der Bioracer Cross Challenge. Quasi eine Hausrennen, denn Holzhausen liegt direkt vor den Toren Leipzigs. Mit dabei sind Josch, Nikita, Tias und Tobi. Auch Mr. Michael Hull ist wieder einmal mit am Start. Insbesondere für ihn, soll das Rennen eine Odyssee werden, dazu aber später mehr. Ebenfalls vor Ort ist Martin. Da er und seine Freundin im Spätsommer Nachwuchs bekommen haben, hat Martin seine Rennkleidung in dieser Saison an den Nagel gehangen und gönnt sich eine Pause. Doch heute sind die drei trotzdem mit dabei. Gemeinsam mit Haike und Tanja sorgen sie für etwas Stimmung am Streckenrand. Die Anwesenheit und der lautstarke Support spornte die Krokodile kräftig an und lässt sie für kurze Zeit das Brennen in den Oberschenkel vergessen.

Die wie immer chaotische Startaufstellung ändert nichts daran, dass alle gut gelaunt ins Rennen starten. Denn endlich hieß es wieder Kette rechts und rein in den Dreck. Nachdem alle 35 Fahrer_innen ihre Crosser die ersten 20 Meter durch den Schlamm schieben mussten, war allen klar, dass die Clickpedalen heute deutlich weniger clicken werden als gewöhnlich. Die klassische Plattformpedale hätte unter den hiesigen Bedingungen viele Vorteile mit sich gebracht, doch spätestens nach der dritten Runde spielte auch das kaum noch eine Rolle, denn die Sorgen der Fahrer_innen lagen da schon wieder ganz woanders. Das epische Moment dieses Sonntags sollte, wie so oft, nicht die Platzierung am Ende des Rennens sein, sondern das Duell Menschmaschine vs. holyfuc*ingMUD, was alle Fahrer_innen auszutragen hatten.

Das Schlamm-Desaster aus Krokodilsicht: Allein in der 1. Runde rutschte Josch dreimal zu Boden. Doch dies sollte nicht der einzige Bodenkontakt für ihn bleiben. Und auch mit der Pedal-Problematik hatte er zu kämpfen. Abgesehen davon, lief das Rennen für ihn ganz rund. Sein schlammbesudelter Körper zeugt allerdings davon, dass seine Fahrtechnik ausbaufähig ist. Tobi ging insgesamt nur ein Mal zu Boden, muss jedoch ab der zweiten Runde vollkommen auf seine Eggbeater verzichten. Tias stürzte in der zweiten Runde bei der Abfahrt schwer und musste sich leider aus dem Renngeschehen verabschieden. Und auch Nikita, der bis zur vorletzten Runde ein super Rennen hinlegte, ging auf der Abfahrt ordentlich zu Boden. Durch den Sturz nahmen seine Vorderradbremse und sein Hinterrad Schaden, und obwohl er versucht noch weiterzufahren, musste er nach wenigen Metern feststellen, dass es rein technisch nicht möglich war und beendete deshalb frühzeitig das Rennen.

Nachdem sich der Schlamm hartnäckig an den Pedalen, Kurbel, Reifen und Bremsen – ja eigentlich überall – festgesetzt hatte, begannen die Schalt- und Bremsprobleme. Josch, der wie immer mit seinen Singlespeeder unterwegs war, freute sich insgeheim über jedes abgerissene Schaltwerk. Im Rennen der Elite hatten sich insgesamt 8 Fahrer_innen ihre Schaltwerke quer durchs Hinterrad gezogen und auch im Hobbyrennen hat es nach der 3. Runde 2 Teilnehmer_innen erwischt. Zu guter Letzt traf es auch noch Michael, der Pechvogel der Session. In der bisherigen Challenge hatte er bereits zwei Reifenpannen, zwei schwere Stürze, ein kaputtes Hinterrad und nun noch das. In der vorletzten Runde passierte er den Start/Zielbereich zu Fuß, den Crosser geschultert, und die Worten: „What a shitty day!“ stand dem sympathischen Briten buchstäblich im Gesicht geschrieben. Michael hat sich nicht nur das Schaltwerk abgerissen, sondern gleich den kompletten Hinterbau seines schönen Unique-Crossers geschrotet. Josch’s tröstende Worte dazu: „Nun kann dir Sören endlich Singlespeed-Ausfallenden einlöten!“.

Ach ja, und dann war da ja noch das Problem mit den Bremsen. Das an schlammigen Tagen das Bremsen – oder sagen wir besser das Verzögern – mit dem Crosser durchaus ein Problem darstellt, ist wahrscheinlich allen bekannt. Stürze, bei denen die Fahrer_innen direkt über den Lenker absteigt, da die Vorderradbremse komplett versagt, sind zum Glück eine Seltenheit. Steve vom Radhaus zwang das Blockieren seiner Bremsen dazu sein Rad immer wieder zu Schultern, anstatt auf ihm zu fahren. So passierte er als Fahrer mit den meisten „Renn-Kilometern“ im Gepäck die Zielgerade. Eine starke Leistung!

Trotz der vielen Widrigkeiten, kleinen und größeren Unfälle, ist niemand ernsthaft zu Schaden gekommen. Alle hatten verdammt viel Spaß. Denn eins ist sicher: Kälte, Schlamm und Dreck. This is Cyclocross!

Wem am Ende doch noch die Platzierung interessiert, dem_der sei verraten, dass das Team, trotz des Ausfalls von Nikita und Tias, ganz gut abgeschnitten hat. So kam Tobi auf Platz 6 und Josch nur knapp dahinter auf Platz 7 ins Ziel.

Nächsten Sonntag geht’s auf nach Chemnitz, zum letzten Rennen der Bioracer Cross Challenge 2013. Die Krokodile können es kaum erwarten und hoffen auf Schnee!

Fotos von TanjaMartin & Tobi

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4 Antworten zu Bioracer Cross Challenge – Holzhausen

  1. kreuzbube schreibt:

    Oh, oh, ich habe ja schön gehört, dass es materialmordend zuging, aber so heftig?

    Welche Übersetzung fährt der Josch denn? Ich habe mir neulich nämlich auch das Schaltwerk abgerissen… Mal schauen, ob ich eine Kuhglocke auftreibe und als Support nach Chemnitz rolle.

    Falls sich jemand die Abfahrt inmitten der Holzhausener Rennbahn aus weiterem Blickwinkel anschauen will, hier gibt’s Fotos von meiner letzten Anwesenheit als Drückeberger:

    http://guterbubi.wordpress.com/2011/11/06/wie-cyclocross-entstanden-ist/

  2. schaut nach einer epischen stunde aus🙂

  3. h.a.i.k.e. schreibt:

    Erinnerungen an letztes Jahr:

    Ich bin gespannt wie das morgige Wetter wird….

    Toi,Toi, Toi für die Krokodile

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