Deutsche CX-Meisterschaften – Döhlau

Manchmal haste einfach keinen Bock!

So ging’s den Jungs nachdem sie das Preview-Video zur Deutschen CX-Meisterschaft im fränkischen Döhlau angeschaut hatten. Asphaltpassage bergauf. Feld wieder runter und einmal rund um den Fussballplatz. Das Video sorgte nicht gerade für Dopamin in ihren Adern. Nichtsdestotrotz entschieden sich Tobi, Nikita und Josch am 2. Januarwochen ihre Taschen zu packen und gemeinsam in den Süden aufzubrechen.

Hier Josch´s Eindrücke von den CX-Meisterschaften in Döhlau:

CX-Meisterschaft bedeutet in die Gelegenheit zu kommen einmal die richtig „guten“ Fahrer, wie Meisen und Walsleben, die sonst ihr Geld in Belgien verdienen, auf dem Rad zusehen. Daher haben wir uns bereits in die frühen Morgenstunden nach Döhlau aufgemacht. Am Vormittag angekommen, parkten wir erstmal und besichtigten die Strecke. Und siehe da, Meisen dreht gleichmal ein paar Proberunden. Wir schauen aufmerksam zu und prägen uns die ein oder andere schnelle Linie ein – in der Hoffnung es ihm am Nachmittag gleichzutun.

Als die Senioren auf’s Rad steigen greifen Tobi und ich zu unseren ausrangierten Crossrahmen und machen am Streckenrand gut Stimmung. Wir schlagen auf die Rahmen ein, brüllen die Fahrer an und auch der einige Teilnehmer honorieren unsere gute Laune mit einem wohlwollenem Lächeln. Nachdem ersten Rennen wird uns schnell klar: Die Langeweile ist vorbei. Aus der Ackerabfahrt wurde eine tiefe Schlammabfahrt, die in Teilen 30cm tief und unfahrbar ist. Aus der langweiligen Sportplatzrunde ist eine schnelle schmierige Grasspassage geworden. Dazu kommen matschige Abfahrten und schlittrige Kurven. Ein Mix aus Adrenalin und Dopamin verbreitete sich in unseren Körpern.
Dazu kommt schließlich ein bisschen Aufregung. Wir stehen zu dritt an der Startlinie. Mit uns haben gut 35 weitere Fahrer ihren Platz in der Startbox eingenommen. Die UCI Kommissare sind entspannt. Keiner nervt wegen schief angebrachten Startnummern, niemand misst die Breite der Lenker oder stülpt Schablonen über Reifen. Strecke gut. Stimmung gut. 3-2-1-LOS!

Wir heizen die Start/Ziel-Gerade runter und sind gespannt was in der ersten schmierigen Abfahrt passieren wird. Die Strecke wird enger, das Feld quetscht sich durch die erste Abfahrt. Stau. Nikita und Tobi kommen gut weg. Nikita mischt vorne mit. Ich reihe mich nach einem eher entspannten Start fast ganz hinten ein und warte das Gedrängel ab. Aber nach den ersten Kurven lege auch ich einen Gang zu. Es folgt eine kurzen Rampe und anschließend geht’s auf den Asphaltanstieg. Ich verschaffte mir erst einmal einen Überblick. Nikita irgendwo ganz ganz vorne. Er will es mal wieder wissen und greift an. Tobi gut 15 Plätze vor mir. 3-2-1-Aufholjagt!

Die Runde ist dynamisch. Trotz des schmierigen Untergrunds sind alle Passagen insgesamt recht schnell fahrbar. Nach dem Asphaltanstieg kommt die Feldabfahrt. Am Rand hat sich eine Spur gebildet die über 2/3 des Feldes okay fahrbar ist. Aber irgendwann wird’s zu tief. In der ersten Runde Reihe ich mich hinter den anderen Fahrern ein und folge der noch relativ festen Spur. Danach geht’s wieder auf die Wiese. Mein Lieblingsteil! Während meine Reifen über die Wiese rollen, ist fast so etwas wie eine kleine Welle vor dem Vorderrad. Idealerweise sind an dieser Stelle die Kärcher zum Fahrrad reinigen aufgebaut und das Wiesenstück ist durchnässt. Ich mag das. Auf solchen Stücken bin ich schnell. Linkskurve. Rechtskurve. Ich mache ein paar Plätze gut. Ich werde warm. Hinter den Pits kommt eine Wende und kurz darauf springen alle von den Rädern. Kleiner Treppenanstieg. Rauf auf’s Rad. Runter vom Rad. Ab in den Schlamm. 60 Meter rennen. Entlang am schrägen Hang. Über die Brücke. Aufspringen. Weiter. Der Abschnitt rund um den Sportplatz ist gespickt mit ein paar Wenden, zwei Barrieren und drei fiesen kleinen Schikanen, die natürlich einen steilen Anstieg beinhalten. Kurz gesagt: Scheiße anstrengend, aber irgendwie fetzt das heute. Danach geht’s wieder auf die 200 Meter Start/Ziel-Gerade.

In der nächsten Runde versuche ich mein Glück im Dreck. Ab in den tiefen Schlamm und einfach haken. Ich mache 3-4 Plätze gut, da ich mich diesmal nicht hinten einreihe, sondern einfach mal schaue wo mich der Schlamm hintreibt. Klappt ganz gut. Bis mein Vorderrad stecken bleibt. Ich springe vom Rad und merke mir die Stelle. Renne 10 Meter und wieder rauf auf’s Rad. Hochprofilfelgen.

It’s all about the hochprofil, baby!
In der Laufpassage kassier ich den nächsten Fahrer. Tobi kommt so langsam näher. Im Start/Ziel hat er noch gut 50 Meter Vorsprung. Welten im Cycloross! Wieder geht es runter in den Matsch. Gegenanstieg. Ich springe vom Rad. 3-4 Schritte. Ich bin oben. Ab auf den Asphaltanstieg. Erneut zwei Fahrer kassiert. Im schlammigen Feld bin ich an Tobi’s Gruppe dran. Yeah! Keine 200 Meter weiter gibt’s eine kleine Show für die Jungs in der Wechselzone. In der Kurve direkt davor überhole ich Tobi auf der Innenseite. Doch mir rutscht das Hinterrad weg. Schräglage extrem! Aber abgefangen. Die Strecke liegt irgendwo links von mir. Ich fahre spontan durch die Wechselzone. Und was habe ich erst 2 Wochen vorher bei Svenness gelernt? Richtig: Niemals nie einfach durchfahren. Ist verboten und so. Also vom Rad abspringen und wieder drauf. Mache ich alles ganz vorbildlich und erhalte sogar noch Szenenapplaus. Tobi ist wieder ein Stück weg. Ich atme erstmal eine Runde durch. Atmen tut gut, sagt mein Kopf.

Drei Runden noch. Von hinten sprintet jemand auf der langen Gerade an mich herran. In einer engen Linkskurve überrunde ich einen Fahrer und entscheide mich direkt danach für die Kampflinie, wodurch ich meinen Verfolger ein wenig ausbremse. Hab ich auch bei Svenness gelernt. Meinem Verfolger kommuniziere ich jedoch, dass er an der kommenden Rampe lieber links fahren soll. Ich habe ja keine Schaltung und springe an der Stelle vom Rad. Er fährt vorbei. Am Asphaltanstieg bedankt er sich und legt los. Dickes Blatt. Raus aus dem Sattel. Weg ist er. Ich schreie ihm noch hinterher, dass er sich dem Typen vorne links in dem grünen Trikot schnappen soll. Der ist eh schon platt. Doch Tobi hat durchaus noch Reserven. Nachdem mir gerade eben 25 Meter auf dem Asphaltanstieg abgesprintet wurden, komm ich auf dem 200 Meter langen schlammigen Feld wieder ran. Wir sind jetzt zu viert. Tobi, der „Sprinter“ auf einem Crux und noch ein vierter Fahrer. Eine halbe Runde später zieht Tobi an. Und der Vierte im Bunde fliegt aus der Gruppe. Zwei Runden. Wir sind zu Dritt und machen Tempo. Wir machen Boden gut. Am Asphaltanstieg saugen wir uns an Nikita heran. Tobi macht schon wieder Tempo. Auf der nassen Wiese überhole ich. Nikita feuert mich an. Ich gebe nochmal alles und versuche an Tobi dranzubleiben. Wir sind zu Zweit. Und kassieren einen weiteren Fahrer.

Letzte Runde! Tobi hat mir auf der Zielgerade 10 Meter abgenommen. Auf dem Asphaltanstieg kann ich die Distanz konstant halten. Oder besser gesagt: Tobi hält mich konstant hinter sich. Auf der Wiese komme ich auf 5 Meter an ihn heranfahren. Duell! Ich kann nicht mehr, aber ich gebe nicht nach. Hinten am Sportplatz vorbei. Tobi macht Boden gut. 180Grad Wende. Runter vom Rad. Barrieren. Kleiner fieser Gegenanstieg mit einer direkt folgenden Schikane. Ich gebe auf. Tobi hält mich auf 5 Meter Abstand zu sich. Ich komme einfach nicht ran. Er hat mal wieder gewonnen. Die letzten 100 Meter fahre ich einfach nur durch und biege auf die Zielgerade, wo Tobi wartet. Wir fahren gemeinsam ins Ziel. Yeah! What a fight! Hinter uns rollt Nikita durchs Ziel. Er hat auch noch einen Platz gut gemacht und sorgt damit für eine geschlossene Mannschaftsleistung. Yeah! Yeah! Yeah!
So ist das also manchmal. Da haste keinen Bock. Erwartest langweiliges Wiesengebummel und dann BAMM! Cyclocross vor die Fresse!

Results: Carlo Forte belegt die ersten 3 Plätze: (1)1. Tobi, (1)2. Josch und (1)3. Nikita!

Ein gelungener Ausflug. Tobi beweist mal wieder, dass er der Schnellste unter den Krokodilen ist. Nikita zeigte trotz Schlafmangel und doppeltem Frauenvergnügen zuhause eine super Leistung. Und Josch holte sich den inoffiziellen Deutschen Singlespeed Meistertitel zurück.


Fotos von Tobi

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