CYCLASSICS

Am 21. August 2016 fand Europas größtes Radrennen, die EUROEYES CYCLASSICS, erneut in der geliebten Hansestadt Hamburg statt. Eigentlich ein Event, welches das Team von Carlo Forte getrost an sich vorbeiziehen lässt, passt. Schließlich klingt ein Rennen, an dem 20.000 Jedermänner- und Frauen sowie 160 Profis an den Start gehen, eher nach Volksfest und passt nicht so ganz zur „It’s all about fun“ Attitude der Krokodile. Doch manchmal müssen Dinge einfach ausprobiert werden. Und so hat sich Teammitglied Josch der Herausforderung gestellt. Hier sein Rennbericht:

„Das größte Radevent Europas. So wirklich kann ich es noch nicht glauben, dass ich mich darauf eingelassen habe. Es ist Samstag, der 20. August 2016, und ich sitze im IC nach Hamburg – die Perle des Nordens – verlasse Leipzig bei strahlendem Sonnenschein. Ich bin auf den Weg zu den Cyclassics. Ein Rennradrennen. Flach. Schnell. Hektisch. Ein Massenradevent. Genau sowas verabscheue ich eigentlich. Nichtsdestotrotz bin ich gespannt was mich erwartet, was gleichzeitig ein wenig besorgniserregend ist. Doch es reizt mich irgendwie an so ein Event meinen Haken zu setzen und zu sagen – Ja, es ist Scheiße. Ich hab’s mitgemacht!

Sonntag, 21. August 2016, 6:00 Uhr. Der Wecker klingelt. Was für ein Scheiss. Ich schleppe mich unter die Dusche. Wach werden im Schleudergang. Eiskaltes Wasser. Es funktioniert, ich bin wach. In Hamburg verbringe ich das Wochenende im offiziellen Team Hotel. Gemeinsames Essen mit den richtigen Radprofis. Movistar, Katusha, Team Sky und Quick-Step – alle sind hier untergebracht. Specialized hat uns eingeladen. Daher teilen wir unser Frühstück und Abendessen mit den großen Namen des Radsports. Beim Frühstück sitzen wir jedoch zunächst in kleiner Gruppe beisammen. Der Start der Profis ist erst drei Stunden später. Die Pennen also alle noch. Nach der kalten Dusche nun also auch noch das. Wie demotivierend – wirklich!

Es ist kurz nach 8:00 Uhr. Die Sonne scheint. Yeah! Ich bin im Startblock E. Warum? Keine Ahnung. Mit mir sind 1.500 Fahrer_innen im Startblock E. 1.500! Und in den Blöcken A bis D und F bis was-weiss-ich-welcher Buchstabe genau so viele. Ich bin hier einer von über 20.000. Und wieder deprimierend!

Es geht los. Also fast. Also gleich. Erstmal Stau. Dann geht’s wirklich los. 2km. Das erste Mal stockender Radverkehr. Links steht ein Krankenwagen. Daneben, in tausend Teile zerbrochene Aluminium- und Carbonräder, deren Fahrer_innen gerade auf Tragen abtransportiert werden. What the fuck?! Egal. Kopf frei. Weiterfahren. Wir sind drei Verbündete. Uwe Raab und Manuel sind mit mir unterwegs. Wir wollen zusammen fahren. Wir wollen nicht im Krankenhaus enden. Wir wollen aber schon ballern! Wir sind keine 10km unterwegs und ich schau auf mein Tacho – 50km/h. Oiwawoi! Was mach ich hier? Uwe ist zigfacher Weltmeister. Älterer Generation. Aber treten kann er immer noch und genau das tut er eben auch. Das Motto heisst: Überholen! Stürzen passieren hinten im Feld. Das Tempo ist hoch. Die Gruppen sind hektisch. 20km gefahren. 45km/h im Schnitt. Again: What the fuck! Doch unsere Taktik macht Spass. Wir fahren an eine Gruppe ran. Meist mindestens 50 Fahrer_innen stark. Ruhen uns kurz im Windschatten aus. Drehen wieder ein bisschen auf und kämpfen uns an die nächste Gruppe ran. Kämpfen ist übrigens wörtlich gemeint. Wir sind mittlerweile gut 10 Fahrer_innen die miteinander gut funktionieren. Doch 600 Meter auf der Landstraße an die nächste Gruppen ranfahren, Tempo 40km/h und schneller, ist und bleibt eine Qual. Uwe, Manuel und ich wechseln uns vorne im Wind ab und werden von zwei weiteren Fahrern unterstützt. Der Rest macht es richtig, aber langweilig und fährt hinten im Windschatten. Laaaangweilig!

Nach 30km kommt die erste und einzige Bergwertung. Aber seien wir ehrlich, es war ein Hügel. Er hat vielleicht 6% und nicht einmal ich – Flachlandradfahrer – komme hier ins Schwitzen. Doch 6% reichen aus, um die Gruppe zu sprengen. Uwe, der bereits vor dem Start angekündigt hat, dass er Berge hasst, bleibt einen Moment auf der Strecke. Wir drosseln kurz das Tempo und schon zieht Uwe wieder an uns vorbei. Unsere Taktik – sich von Gruppe zu Gruppe vorzukämpfen – macht sich langsam in den Beinen bemerkbar. Manuel und ich rücken eine weitere Gruppe auf und genießen kurz den Windschatten. Doch nicht lang, denn Manuel ist noch immer angriffsfreudig und ich bin froh über seinen dynamischen Fahrstil. Mit ihm wird es auf jeden Fall nicht laaaangweilig!

Wir sind 10km vor dem Ziel. In Hamburg angekommen fahren wir mit 30 anderen Fahrer_innen auf eine langsamere Gruppe auf. Alles wird wieder ein wenig enger. Manuel schaut mich an und ihr kann seine Gedanken lesen: Los! Angriff! Die nächste Gruppe bekommen wir auch. Ich schau nach vorne. Die Gruppe ist mindestens 600 Meter entfernt. Ich ruf noch – Aber easy! Ich schalte. Unterlenker. Hinterrad. Ich denke mir noch, dass das ein langer Kampf wird. Egal. Ich bin am Hinterrad. Nach ein paar Kilometern geht Manuel raus. Ich schau mich um. Nur ein Fahrer hat sich an uns drangehangen. Es ist nicht Uwe. Für ihn war in der Gruppe hinter uns Schluss. Er war fertig. Wir sind also zu Dritt und haben noch nicht einmal die Hälfte der Distanz verkürzt. Ich bin vielleicht ein Kilometer im Wind und muss an einer Brücke wieder in den Windschatten. Die Aktion abbrechen ist keine Option. Also weiter. Unser Mitfahrer ist sich zum Glück nicht zu fein. Drückt den Anstieg zur Brücke hoch. Ich hab alle Mühe dran zu bleiben. Geschafft. Leichtes Gefälle. Ich übernehme wieder. Einen Kilometer später sind wir dran. Wir rollen ein paar hundert Meter mit und merken schnell das sich die Gruppe auf einen Zielsprint vorbereitet. Hier wird plötzlich rausgenommen. Doch darauf haben wir keinen Bock. Also Tempo halten und weiter. Wir überholen alle. Der letzte Kilometer ist bergauf. Die Straße links und rechts mit hunderten Menschen gefüllt, die uns anfeuern. Fühlt sich schon ein bisschen geil an. Und da ist es auf einmal. Das Ziel. Wir haben es geschafft. Zwar nicht in der Startformation, doch sturzfrei, einem 39,8er Schnitt, auf Rang 453 und mit einem sehr sehr breiten Grinsen im Gesicht. War garnicht so Scheiße!

IMG_2016-09-04 21:09:29

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter race veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s